Gott, unsere Zuversicht und Stärke
1 ¶ Ein Lied der Kinder Korah von der Jugend, vorzusingen. GOtt ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. 2 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, 3 wenngleich das Meer wütete und wallete und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. 4 Dennoch soll die Stadt GOttes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 5 GOtt ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben; GOtt hilft ihr frühe. 6 ¶ Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen; das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören läßt. 7 Der HErr Zebaoth ist mit uns, der GOtt Jakobs ist unser Schutz. Sela. 8 Kommt her und schauet die Werke des HErrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet, 9 der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. 10 Seid stille und erkennet, daß ich GOtt bin! Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. 11 Der HErr Zebaoth ist mit uns, der GOtt Jakobs ist unser Schutz. Sela.
Psalm 46
Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werke geschickt.
2. Timotheus 3, 16 + 17
In einer Zeit, in der auch auf vielen evangelikalen Bibelschulen und Predigerseminaren Bibelkritik geübt und gelehrt wird, dürfen wir uns nicht irre machen lassen. Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Das Alte wie das Neue Testament ist Gottes inspiriertes Wort an uns. Inspiration heißt „Einhauchung“. Wozu sein Wort dienen soll, lesen wir in dem Brief des Paulus an Timotheus, zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, damit wir vollkommen werden.
Die Psalmen, so drückte es ein Ausleger aus, bildeten Israels altes, von Gott „eingehauchtes“ Liederbuch, das die richtige Gesinnung und den richtigen Inhalt von Anbetung definierte. Das galt nicht nur für Israel, das gilt auch noch heute für uns. Wir finden in den Psalmen Gottes Größe, seine Allmacht und seine Schöpfung, seinen Zorn und seine Strafe, sein Erbarmen, seine Liebe und unermeßliche Geduld. Darum ist es auch für uns ein kostbares Lieder- und Gebetsbuch. In ihm zu lesen bringt uns Gott näher. Im Neuen Testament finden wir Hinweise auf Psalmen. Jesus selbst betete am Kreuz den 22. Psalm.
I. Zuversicht in Bedrängnis
Der 46. Psalm ist nicht speziell für einen „Jugendgottesdienst“ gedacht. Das hebräische Wort Alamoth hat mit Mädchen zu tun. Die wahrscheinliche Deutung ist, daß es sich hier um einen musikalischen Hinweis handelt. Dieses Lied soll in einer höheren Tonlage, also von Jungfrauen gesungen werden.
Gott als sicheren Hort zu bezeichnen in einer Zeit, in der es uns gut geht, ist nicht schwer. Wir lesen in der Schrift von den großen Taten Gottes an seinem Volk und an einzelnen Menschen und freuen uns daran. Wir wissen, daß es Gott ein Leichtes war, zur Rettung der Israeliten das Rote Meer zu teilen. Die Speisung der 5000 Menschen mit Brot und Fisch, die Heilungen von Blinden und Gelähmten, selbst die Totenerweckungen Jesu können wir glauben. Wir wissen ja, daß Ihm alle Gewalt gegeben ist im Himmel wie auf Erden (Matthäus 28, 18).
Prof. Thielicke schreibt in seinem Buch „Der Glaube der Christenheit“:
Darf ich Ihnen noch einiges aus meiner Arbeit berichten? Ich erzählte Ihnen in meinen letzten Briefen bereits, daß ich in Stuttgart allwöchentlich die große Laiendogmatik vortragen darf. Es war eine gewaltige Aufgabe, die einen erzittern ließ und beglückte, wenn man in dieser Weise vor der dunklen Folie der Zeit das Licht des Evangeliums aufzustecken hatte.
Wie schwer war es für uns, in einer Zeit zu predigen, als wir die garantierten Stätten hatten, da wir unser Haupt hinlegten, und als das Leben dem Automaten glich, der einem auf den kaum noch bemerkten Knopfdruck hin die ebenfalls kaum noch bemerkten „Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof“ vor die verwöhnten Füße warf. Wie schwer war es „dazumal“ über das Gottvertrauen zu sprechen, wie schwer war es in der Zeit, wo das „Apfelhäutchen der Kultur“ (Nietzsche) die großen Abgründe und gefährlichen Instinkte verhüllte, von Sünde und Schuld zu sprechen, jedenfalls so zu sprechen, daß man gehört wurde. Haben wir uns als Prediger nicht immer wieder Methoden ausgedacht, um starke Töne, paradoxe und zum Aufhorchen zwingende Formulierungen zu gewinnen, damit wir diese schalldämpfende Schicht der Selbstverständlichkeiten durchstoßen konnten? Wie anders ist das geworden! Wir brauchen fast nur schweigend den Finger zu erheben, um auf den Gott zu zeigen, der in Gericht und Gnade durch die Wetter der Geschichte schreitet.
Der Psalmist sagt, daß der Herr seine Zuversicht und Stärke ist in der Not, die jetzt besteht. Er glaubt nicht nur, daß er es sein wird, sollte die Not einmal eintreten. Er hat es erfahren und darum kann er sagen, daß er sich nicht fürchtet. Selbst wenn das Schlimmste geschehen würde, die Welt unterginge, fürchtet er sich nicht, er und die mit ihm dieses Loblied singen.
Dieser Psalm ist die biblische Quelle für Martin Luthers Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ In Zeiten, in denen der Teufel seine Fratze und Macht nicht so deutlich zeigt, mögen wir die Strophe leicht hin singen:
Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Wenn wir allerdings in Gefahr stehen, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist, geht es uns nicht mehr so leicht von den Lippen: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: Laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben.“
Vor Jahren haben wir in einem Kreis von Christen über Krieg gesprochen. Als ich die Sinnlosigkeit eines Krieges hervorhob, sagt mir jemand, aber für unsere Werte (Freiheit, Wohlstand) lohne es sich doch zu kämpfen. Darüber war ich sehr erschrocken. Auch wenn ich zur Verteidigung dessen, was ich habe, keinen Krieg möchte, so weiß ich doch, wie sehr auch ich an all diesem hänge. Darum kann es nur immer mein Gebet sein: „Gott Du bist meine Zuversicht und Stärke. Erhalte mich in diesem Glauben, daß ich nicht wanke und mein Vertrauen nicht auf etwas anderes setze, als auf Dich.“
Thielicke mußte erleben, daß ein großer Teil seiner Gemeinde zu einer von den Nationalsozialisten verordneten Veranstaltung ging, statt in den zur gleichen Zeit stattfindenden Gottesdienst. Am nächsten Sonntag spielte zu der Strophe in der es heißt „nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib..“ nur die Orgel und niemand durfte mitsingen.
Wie wichtig ist es, daß bei uns der Grund stimmt, auf dem wir stehen. „Ich habe mein Leben Jesus übergeben“, so oder ähnlich sagen viele, nachdem sie bekehrt sind. Aber wie oft hat uns Christen die Furcht gepackt, wenn „das Meer wütete“ und die Wellen in unserem Lebensschiff hoch schlugen. Wenn uns manchmal die eigenen Worte fehlen, dürfen wir in dem von Gott „eingehauchten Liederbuch“ lesen und mit dem Psalmisten bekennen: „Du bist meine Zuversicht und Stärke“. Er kann mit mächtiger Hand eingreifen in Geschehnisse der Welt, in Naturkatastrophen, in politische Situationen und in unsere ganz persönlichen Schwierigkeiten. Das ist es, das ganz allein, was uns die Furcht vor dem Morgen nimmt, die Furcht vor dem, was noch geschehen kann.
Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht.
Psalm 74, 12
Aber nicht nur in äußerer Bedrohung dürfen wir unsere Zuversicht auf unseren Herrn setzen. Schwierigkeiten in unserem Leben resultieren oft aus geistlicher Not und Anfechtung. Die Welt mit ihrer Lust kann uns oft in arge geistliche Bedrängnis bringen. Auch oder gerade dann ist Gott unsere Zuversicht und Stärke.
Paulus schreibt an die Thessalonicher:
Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
1. Thessalonicher 5, 23
II. Freude am Herrn
Nietzsche hat einmal gesagt: „Die Christen müßten erlöster aussehen, wenn er an ihren Erlöser glauben sollte.“ Nietzsche war ein Gottesleugner und Spötter, der seinen Unglauben vor Gott damit nicht entschuldigen konnte. Aber richtig ist, daß die Freude über unsere Erlösung in unserem Leben schon zu erkennen sein sollte.
Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein.
Psalm 46, 4
Spurgeon sagt zu diesem Vers:
Die göttliche Gnade ist wie ein strömender Fluß, fruchtbar, reich, nie versiegend. Dieser Strom spendet den Gläubigen Erfrischung und Trost. Das ist das Wasser des Lebens, von dem die Gemeinde im Himmel und auch auf Erden trinkt. Es ist kein gewaltiger Ozean, sondern ein stiller Strom. Er kann durch Erbeben und einstürzende Berge nicht aufgehalten werden, sondern folgt ruhig und ohne Unterbrechung seinen Lauf. Glücklich sind alle, die diesen Strom aus eigener Erfahrung kennen. Er verteilt sein Wasser auf verschiedene Seitenarme, so daß kein Teil der Stadt ohne Wasser bleibt. Die Bürger der Stadt freuen sich, weil sie wissen, daß Zions Herr alle ihre Bedürfnisse erfüllt. Die Ströme vertrocknen nicht, so wenig wie der Bach Krith (1. Könige 17, 7); sie sind nicht schlammig wie der Nil, nicht reißend wie der Kison (Richter 5, 21), nicht tückisch wie die Wildbäche Hiobs (Hiob 6, 15-17), auch nicht ungesund wie das Wasser Jerichos (2. Könige 2, 19) sondern klar, kühl, frisch, gesund und reichlich.
Für Menschen des Orients ist diese Beschreibung noch besser zu begreifen, als für uns, die wir bei Bedarf nur den Wasserhahn aufdrehen müssen. Ohne Wasser erstirbt jedes Leben. Glücklich jede Stadt, die diesen unversiegenden Strom ihr eigen nennt. Da müßte die Freude darüber jedem Einwohner bei seinen täglichen Verrichtungen im Gesicht stehen.
Ist das bei uns auch so? Ich denke in unserer Zeit gibt es zwei Extreme. Die einen versuchen Freude nach außen zu exportieren, die innen in der Weise gar nicht vorhanden ist. Sie begnügen sich nicht mit dem stillen Strom; sie wollen der Welt und sich einen gewaltigen Ozean zeigen. Die Freude wird gefühlsmäßig hoch getrieben und fällt schnell wieder ab, wenn ein Ereignis vorbei ist. Im Alltag sieht man dann das Brünnlein nicht mehr, oder es kommt einem zu klein vor. Das andere ist die Freudlosigkeit, weil uns das Wasser des Lebens schon so selbstverständlich geworden ist. Ja, wir wissen, daß wir erlöst sind, wir glauben an unseren Erlöser, wir kennen auch sein Wort, aber wir schöpfen nicht mehr von dem Wasser. Was hilft uns ein klares, kühles, frisches und gesundes Wasser, wenn wir es nicht trinken. Ohne Gottes tägliches Wort und ohne Gebet kann die Freude am Herrn nie unsere Stärke werden. Wir sehen auf das, worauf die Welt sieht, wir streben nach dem, wonach die Welt strebt. Und damit vergeht unsere Freude am Herrn.
In dieser Stadt mit den Brünnlein ist Gott selbst. Er versorgt nicht nur seine Einwohner, sondern ist bei ihnen.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende
Matthäus 28, 20
Diese Zusage hat Jesus den Seinen gemacht. Sie gilt auch uns bis wir ihn sehen werden von Angesicht zu Angesicht, bis die „Hütte Gottes bei den Menschen“ sein wird (Offenbarung 21, 3).
Wenn diese Freude unser Herz erfüllt, wird sie unser Leben prägen und andere werden sie erkennen.
III. Gottes Werke und Vertrauen auf seine Macht
Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, da es herausbrach wie aus Mutterleib? Da ich's mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln; da ich ihm den Lauf brach mit meinem Damm und setzte ihm Riegel und Türen und sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!
Hiob 38, 8 - 11
So belehrt Gott den Hiob. Eine Demonstration dessen was geschieht, wenn Gott seine schützende Macht nicht in der für uns gewohnten Weise ausübt, haben Menschen in Südostasien erfahren müssen. Er hat den Wellen, dem Tsunami, nicht Einhalt geboten. Wie wenig selbstverständlich und unverdiente Gnade ist jeder Augenblick, den wir gesund und in Sicherheit leben dürfen.
Wenn Gott Naturkatastrophen zuläßt, Kriege, politische Verfolgung und was man sich noch an Nöten vorstellen kann, dann trifft es Heiden wie Christen. Von den Heiden heißt es in Vers 7, daß sie verzagen müssen. Dann sagt Asaph weiter: „Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.“ Die Heiden müssen verzagen. Sie erleben die Macht Gottes und erzittern, weil sie nur seinen Zorn sehen, sofern sie Gott darin erkennen. Oder sie sehen in allem nur blinden Zufall, und das läßt sie auch erschrecken.
Gottes Kinder wissen, daß ihr Gott Macht hat, zu schaffen, und Macht hat, zu zerstören. Aber da sie ihn nicht nur als Schöpfer und Herr dieser Welt kennen, sondern auch als Vater, wissen sie auch von seiner Liebe, die sich in Jesus Christus offenbart hat. Sie wissen, daß kein blindes Schicksal sie treffen kann, und daß ihr Herr seine Macht nicht wie irdische Herren in willkürlicher Bosheit ausübt. Sie kennen aus eigenem Erleben seine Barmherzigkeit und Gnade. Sie haben seinen Schutz, seine Fürsorge und Bewahrung erfahren. Sie wissen, daß seine Kraft und seine Möglichkeiten unbegrenzt sind.
Denn wenn er spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da.
sagt David im 33. Psalm.
Auf dem Tafelberg in Kapstadt sahen wir an einer Wand ein Schild mit der Aufschrift:
Groß sind die Werke des Herrn.
Wer ist wie Gott - Schöpfer, Herr.
In Ehrfurcht beten wir dich an.
Groß und mächtig, Ewiger.
Der die Himmel geschaffen hat
und gab der Erde ihre Form.
Allmächtiger Gott.
Unseren Reisebericht über Afrika haben wir überschrieben: Groß sind die Werke des Herrn. Die atemberaubende Schönheit der Landschaft, die Vielfalt und Besonderheit der Tiere, das Meer, die Wüste, Wasserfälle und die herrlichen Sonnenauf- und -untergänge, den unbeschreiblichen Sternenhimmel, das alles ließ uns immer wieder Staunen über Gottes Macht und Größe.
Mit welcher Pracht und mit welchem Reichtum hat Gott seine Erde ausgestattet. Eigentlich können wir das jeden Tag sehen, dazu müssen wir nicht einmal große Reisen machen. Wir sind aufgefordert, die Werke des Herrn anzuschauen (Vers 9). Auch Paulus spricht von den Werken Gottes, von seiner Schöpfung, an der wir Gott erkennen können.
Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so daß sie keine Entschuldigung haben.
Römer 1, 20
Allen Menschen, allen Völkern soll das Handeln Gottes offenbar werden. Niemand soll bezweifeln, daß Gott nicht nur die Welt geschaffen hat, sondern sie auch regiert. Wo Menschen das nicht an der Schöpfung erkennen können oder wollen, erkennen sie es vielleicht wenn Gott „solch Zerstören“ (Vers 9) anrichtet.
Graf Lehndorff schreibt über einen Gang durch Königsberg nach dem Einmarsch der Russen:
Aus den Ruinen erhebt sich, wie ein Ausrufezeichen, der Turm, der Länge nach gespalten, von tausend Geschossen zerfetzt, gekämmt, zerhackt. Man sieht in ihn hinein - da oben hängt noch die Glocke. Und auf einmal ist eine Stimme in mir, die gibt Antwort, und sie befielt mir: Mach nur die Augen auf und sieh, denn in der Tat wäre das, was hier vorgeht, sinnlos, zwecklos, höllisches Gelächter, wenn du es nicht sähest. Dies ist nicht ein Augenblick der Weltgeschichte - irgendeiner, der wieder vergeht-, das ist Weltgeschichte in einem Augenblick, in deinem Augenblick. Darum sieh nur hin, so wirst du die Herrlichkeit Gottes erkennen. Und dieser schmutzige, erschöpfte Menschenwurm, der ich bin, erschauert vor tiefer Seligkeit.
Thielicke berichtet in einem seiner Bücher ähnliches. Er hatte die Jahre vor dem Krieg erlebt, wie die Menschen in Gottlosigkeit, in Lästerung und Sünde gelebt haben. Er geht nach einem Bombenangriff durch seine Heimatstadt. Bei aller Erschütterung über diese Katastrophe erkennt er, daß Gott gesprochen hatte. Bei aller Trauer über diesen Untergang einer ganzen Welt mit all ihren menschlichen, kulturellen und auch kirchlichen Errungenschaft empfindet er Erleichterung darüber, daß Gott jetzt nicht mehr schweigt.
Als ich diese Gedanken das erste Mal las, konnte ich sie kaum verarbeiten. O ja, ich möchte auf Gottes Macht und Stärke vertrauen. Ich möchte darauf vertrauen, daß sein Schöpferwort auch heute noch das Meer für mich teilen kann, um mich zu retten. Ich will glauben, daß ihm kein Ding unmöglich ist, daß er Naturgesetze außer Kraft setzen kann, um mir zu helfen. Aber ich muß auch lernen, zu erkennen, daß dieser selbe Herr Zerstören auf Erden anrichten kann und anrichtet. Dann können wir nur stille sein, und erkennen, Er ist der Herr.
Das heißt aber auch, wir müssen nicht angstvoll auf die „Herren dieser Welt“ sehen. Auch ein Präsident der mächtigsten Nation der Welt, hat nur soviel Macht, wie Gott sie ihm gestattet. Gott gebietet Einhalt, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Dann zerbricht er, was Menschen für ewig hielten. Von Menschen geschaffene Weltordnungen kann er über Nacht zunichte machen.
Der Refrain in Vers 8 und 11 greift drei Gottesbezeichnungen auf. Der Herr Zebaoth ist eine Bezeichnung, die die göttliche Macht herausstellt. Der Gott Jakobs unterstreicht seine Bundestreue. Ist mit uns (hebr. immanu) weist auf seinen Namen „Immanuel“ hin.
In und durch Jesus Christus wissen wir, daß Gott mit uns ist. Im Sturm und in der Ruhe erkennen wir die Macht unseres Gottes. Im Unwetter und in der Stille wollen wir uns an den halten, der mit uns ist. Er ist unsere Zuversicht und Stärke, er ist unser Schutz.
Vater im Himmel,
Du allein bist der Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat. Du sitzt im Regiment. Laß uns stille werden, damit wir das immer wieder erkennen, wenn wir mit ängstlichem Herzen auf die Geschehnisse in unserer Welt und in unserem kleinen Leben sehen.
Wetter leuchten allerwärts,
schenke uns das feste Herz!
In die Wirrnis dieser Zeit
fahre Strahl der Ewigkeit!
Amen