Ingrid Puschinski - www.puschinski.net

Zwei Wege, zwei Ziele

1 ¶ Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen, 2 sondern hat Lust zum Gesetz des HErrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht. 3 Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das gerät wohl. 4 ¶ Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreuet. 5 Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gerichte, noch die Sünder in der Gemeine der Gerechten. 6 Denn der HErr kennet den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergehet.

Psalm 1

Der große englische Prediger aus dem 19. Jahrhundert Charles Haddon Spurgeon hat seine Psalmenauslegungen überschrieben „Aus der Schatzkammer Davids“. Die Psalmen sind voll von Schätzen. Das ist auch der Grund, warum man gerne darin liest. Ein weiterer Grund für ihre Popularität ist, daß sich viele Psalmen gut eignen für kurze Bibelstudien und -auslegungen für viele Anlässe. Und doch dürfen wir sie nicht betrachten als kleine handliche Stückchen des Wortes Gottes, die nur gut sind für Kurzandachten. „Man tut den Psalmen Unrecht“, sagte ein Prediger von All Souls, „wenn man sie als Pralinenschachtel ansieht, aus der man nur immer wieder kleine Süßigkeiten entnimmt. Die Psalmen sind ein Gesamtwerk. Man versteht sie nicht richtig, wenn man sie nicht als solches ansieht und liest. Sie sind eigentlich kein Liederbuch mit einzelnen Liedern, sondern eher eine Symphonie oder besser ein Oratorium. Ein Oratorium, wie „Der Messias“ von Händel, zitiert viele Bibelstellen, um eine ganze Geschichte zu erzählen.“

Mose hat dem Volk Israel fünf Bücher geschenkt. Ebenso sind uns mit den Psalmen 5 Bücher gegeben:

Die fünf Bücher Mose korrespondieren mit den fünf Büchern der Psalmen. Sie haben ähnliche Inhalte, sie behandeln dieselben Themen.

I.       Der eine Gerechte

Früher wurde Psalm 1 und 2 als ein Psalm gesehen. Die Klammer, die beide verbindet, sind der erste Vers von Psalm 1 und der letzte von Psalm 2. „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen.“ und „Wohl allen, die auf ihn trauen!“

Der 1. Satz im 1. Psalm ist zuerst einmal keine allgemeine Beschreibung eines Christen. Wer ist der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und seine Lust hat am Gesetz des Herrn und von ihm redet Tag und Nacht? Im 5. Buch Mose wird gesagt, was Gott von einem König erwartet:

Und wenn er nun sitzen wird auf dem Thron seines Königreiches, soll er eine Abschrift dieses Gesetzes, wie es den levitischen Priestern vorliegt, in ein Buch schreiben lassen. Das soll bei ihm sein, und er soll darin lesen sein Leben lang, damit er den Herrn, seinen Gott, fürchten lernt, daß er halte alle Worte dieses Gesetzes und diese Rechte und danach tue.

5. Mose 17, 18 - 19

Im 2. Psalm Vers 6 lesen wir: „Ich habe meinen König eingesetzt.“ Dieser König ist Jesus Christus, er ist der wahre König, von dem auch in Psalm 40 steht:

Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.

Psalm 40, 8 + 9

Im Brief an die Hebräer wird es wiederholt:

Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt: 'Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme - im Buch steht von mir geschrieben -, daß ich tue, Gott, deinen Willen.' Dann aber sprach er: 'Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen.' Da hebt er das erste auf, damit er das zweite setze. Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für allemal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.

Hebräer 10, 5 - 7, 9 - 10

In Lukas 2 wird berichtet von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Er sitzt wie selbstverständlich zwischen den gelehrten Männern. „Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“ Er kannte nicht nur das Wort, er liebte es und lebte darin. Er war das Wort, und war gekommen, um das Gesetz zu erfüllen. Er war selbst das fleischgewordene Wort Gottes, wie Johannes sagt. Die Schriftgelehrten wunderten sich, weil sie das nicht wußten und auch nicht glauben konnten.

Jesus Christus ist der wahre König. Er ist der einzige Gerechte. Von ihm ist zuerst einmal die Rede im 1. Psalm, der zu den messianischen Psalmen gehört. So deutet es auch Martin Luther. Christus ist der Mann, der nie auf den „Weg der Sünder getreten“ ist. Er war sündlos, darum konnte er für den Sünder eintreten. Und er ist für den Sünder eingetreten, als er die Schuld des Sünders auf sich nahm und am Kreuz mit seinem Tod dafür büßte. „Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth und ist kein andrer Gott, ...“ so steht es in dem Lutherlied „Ein feste Burg“.

Darum ist bei Christus das Leben. Es ist in Vers 3 nicht von irgend einem Baum, der an irgend einem Wasser steht, die Rede. In Psalm 46 übersetzte Luther ursprünglich wörtlich:

Der Strom mit seinen Bächen erfreut die Stadt Gottes, die heiligen Wohnungen des Höchsten.

Psalm 46, 5

Das ist der Strom des lebendigen Wassers. Christus ist die Quelle und der Baum des Lebens. So steht es auch am Ende der Heiligen Schrift. Im letzten Kapitel der Offenbarung heißt es:

Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

Offenbarung 22, 1 ff

Bei Jesus ist das Leben. Für uns hier auf Erden hat Gott versprochen, daß nicht aufhören wird Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht, Saat und Ernte. Das gilt für diese Erde auf der wir jetzt leben. Die Zusage gilt uns, die wir zu der gefallenen Schöpfung gehören. Noch leben wir in der Dunkelheit der Zeit. Noch ist Winter, Dunkelheit und Tod. In der Ewigkeit gibt es nur noch Licht. Immer tragen die Bäume ihre Früchte, und immer sind ihre Blätter grün. Es gibt kein Sterben mehr. Wer mit Jesus lebt, lebt mit ihm in Ewigkeit.

Und wird keine Nacht da sein, und sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Offenbarung 22, 5

II.       Der Weg des Frommen

Nachdem wir erkannt haben, wer der Mann ist, von dem in Psalm 1 gesprochen wird, können wir jetzt sagen: Wohl dem, der auf ihn traut. Das ist der Bogen, der Psalm 1 und 2 verbindet. Für den, der auf ihn traut, kann das auch gelten, was in Vers 1 steht. Wer auf diesen Einen traut, der wird selber zu einem, der empfängt und weiter gibt. Weil er das Wasser des Lebens trinkt, kann er Frucht bringen.

Petrus bekennt:

Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Johannes 6, 68

Wenn wir das mit Petrus bekennen können, werden wir uns abwenden von dem Weg der Sünder. Wir haben einen besseren Weg kennengelernt und kennen auch das Ziel. Der Platz, an dem die Spötter sitzen, wird uns mehr und mehr zuwider. Wir suchen die Nähe unseres Herrn. Vorher liefen wir alle in die Irre wie die Schafe, und jeder sah nur auf seinen Weg (Jesaja 53, 6). Aber jetzt können wir beten:

Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Psalm 139, 23 + 24

Wenn wir sagen: „Ich gehe nicht den Weg der Masse, ich mache Dinge nicht mit, die die Welt liebt, ich fühle mich dort nicht wohl, wo man Gott nicht kennt aber über ihn lästert, die Freuden und der Spaß der Welt erfreuen mich nicht“, dann könnte jemand fragen: „Sondern? Was gefällt Dir?“ Können wir dann sagen: „Sondern ich habe Lust zum Gesetz des Herrn und rede von seinem Wort Tag und Nacht.“ Oder sagen wir eher: „Hin und wieder lese ich in der Bibel, weil sich das für einen Christen gehört.“

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege

Psalm 119, 105

heißt es im „güldenen ABC“.

Wie können wir denn den rechten Weg gehen, ohne das Licht des Wortes Gottes. Im Dunkel der Welt kommen wir vom Weg ab. Und die Lichter der Welt sind Irrlichter, die uns vom rechten Weg abbringen. Wenn nicht das Wort unseres Fußes Leuchte ist, werden wir stolpern und fallen. Gehen wir auf Gottes Wegen, wird er selbst über uns wachen.

Ich will dich erhören und führen, ich will sein wie eine grünende Tanne; von mir erhältst du deine Früchte. Wer ist weise, daß er dies versteht, und klug, daß er dies einsieht? Denn alle Wege des Herrn sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf; aber die Übertreter kommen auf ihnen zu Fall.

Hosea 14, 9 + 10

Wir möchten so gerne, daß in unserem Leben Früchte zu sehen sind. Manchmal bemühen wir uns und wollen sie mit unseren Bemühungen erzeugen. Wir glauben dann, daß wir das können, und werden darin womöglich von anderen bestätigt. Aber der Herr sagt: „Von mir erhältst deine Früchte!“ Wir müssen nur auf seinen Wegen wandeln, von seinem Wasser trinken. Täglich gibt er uns Speise für unseren Körper. Aber er will uns auch Speise für unsere Seele geben. Diese Speise ist sein tägliches Brot in seinem Wort.

III.       Der Weg des Gottlosen

„Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.“ Mit diesem kleinen Satz von Vers 4 bricht dieses wunderschöne Bild zusammen. Eben sahen wir einen herrlichen Baum am Ufer eines Flusses mit seinen Früchten und grünen Blättern vor uns. Nun ist von Spreu die Rede, die der Wind verweht. Wenn das Getreide gedroschen ist, bringt man das wertvolle Korn in die Speicher, das lose Zeug ist wertlos. Wer einmal Spreu ins Gesicht und in die Augen bekommen hat, weiß wie unangenehm das ist.

Das Thema der Psalmen schlechthin ist Trennung, Auseinandersetzung, Krieg zwischen den Gottesfürchtigen und den Gottlosen. Es gibt in der Heiligen Schrift nur ein entweder oder. Entweder sind wir gewurzelt in Christus und gesegnet oder weggeweht. Christen müssen das erkennen. Entweder sind wir Bäume an den Wasserbächen oder wertlose Spreu. Es ist ein extremes Bild: Da ein mächtiger Baum mit Früchten und da die Spreu.

Manchmal wollen wir zur Spreu gehören. Wir fallen dann in der Welt nicht auf. Wir wollen mitmachen, was die Welt macht, wir wollen beliebt sein und nicht Außenseiter, wir wollen nicht ausgegrenzt sein und anders als die anderen.

Den Weg der Gottlosen zu beschreiben wäre müßig. Wir haben ihn jeden Tag vor Augen. Wir sehen ihn um uns herum und im Fernsehen. Aber die Erntezeit kommt. Die Warnung ist da. Wichtig ist, daß es in unserm Leben klar ist, welchen Weg wir gehen wollen. Der Weg der Sünder und der Spötter führt ins Verderben. Er hat keine Hoffnung und keine Zukunft. Der Weg der begnadigten Sünder ist der Weg der Gerechten. Er führt zu dem, der uns gerecht gemacht hat. Wohl allen, die auf ihn trauen, und den Weg der Gerechten gehen. Sie sind die Gesegneten des Herrn. Er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Herr Jesus Christus,

die ganze Heilige Schrift zeugt von Dir. In ihr lernen wir dich immer besser kennen. Laß auch dieser Abend dazu gedient haben. Leite du uns auf dem Weg der Gerechten. Laß uns dein Wort verstehen, es immer mehr lieb gewinnen und im Gehorsam danach handeln. Wir wollen das Wasser des Lebens trinken, damit unser Leben Früchte tragen kann. Wenn dein Wort unsere tägliche Speise ist, werden wir stark am inwendigen Menschen. Verleih du uns Deines Geistes Kraft dazu.

Amen

Fußnoten

All Souls

Die Schatzkammer Davids

Charles Haddon Spurgeon

GüldeneABC