Ingrid Puschinski - www.puschinski.net

Pilatus, der gerichtete Richter oder Realität und Schein

1 ¶ Da nahm Pilatus JEsum und geißelte ihn. 2 Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an 3 und sprachen: Sei gegrüßet, lieber Judenkönig! und gaben ihm Backenstreiche. 4 Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. 5 Also ging JEsus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! 6 Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget; denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu GOttes Sohn gemacht. 8 Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr 9 und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu JEsu: Von wannen bist du? Aber JEsus gab ihm keine Antwort. 10 Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben? 11 JEsus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde. 12 Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. 13 Da Pilatus das Wort hörete, führete er JEsum heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf ebräisch aber Gabbatha. 14 Es war aber der Rüsttag auf Ostern um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! 15 Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König denn den Kaiser. 16 ¶ Da überantwortete er ihn ihnen, daß er gekreuzigt würde. Sie nahmen aber JEsum und führeten ihn hin.

Johannes 19, 1-16

I.       Die Macht Jesu

Nicht nur in Mel Gibsons Film, der uns das Grauen lehren soll, sondern auch in anderen Passions-Filmen wird unser Blick nur auf den leidenden, schwachen, machtlosen, in Menschenhände gegebenen Jesus gerichtet. Folge - und in Filmen oft beabsichtigt - ist, daß wir Mitleid bekommen. Man müßte ja schon sehr abgebrüht sein, wenn solche Bilder einem nicht zu Herzen gehen würden. Jedes Kind weiß doch, daß hier ein Unschuldiger gequält und getötet wurde. Aber dieses Bild allein verbunden mit dem Gefühl des Mitleids kann uns leicht auf die falsche Fährte führen.

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jesaja 53, 5

Wenn wir nur mitleidsvoll auf seine Wunden sehen, sind wir nicht dadurch schon geheilt. Die Strafe, die Jesus am Kreuz auf sich nimmt, ist die Strafe, die ich zu erdulden hätte um meiner Sünde, um meiner Missetat willen. Das zu begreifen und zu akzeptieren ist weitaus schwerer, als Mitleid und Erschrecken über so viel Grausamkeit. Erschrecken müßten wir über unsere Sünde. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt ist: Wir müssen unterscheiden zwischen Realität und Schein. Die Bibel fordert uns immer heraus, zu erkennen, was wirkliche Realität ist, und was nur zu sein scheint. Wenn wir alles nur mit unseren physischen Augen betrachten, sieht es anders aus, als es in Wirklichkeit ist. Nur unser geistliches Auge vermag die Realität zu sehen. Diese versteckte Realität, die in der Bibel immer wieder zu finden ist, heißt es zu erkennen und mit ihr zu leben.

„Seht welch ein Mensch“, sagt Paulus zu den Juden. Auf theatralische Weise präsentiert Pilatus Jesus nach seiner Folterung durch die Soldaten. Sein Körper war verunstaltet und blutig. Pilatus führt Jesus als eine geschlagene und mitleiderregende Gestalt vor. Seine Äußerung ist sarkastisch und er versucht bei den jüdischen Autoritäten Eindruck zu machen. Vielleicht ließen sie ihn frei, wenn sie sahen, wie hilflos und damit ungefährlich er jetzt war.

Ja, Jesus sah hilflos aus, aber das ist der Schein. Die Wirklichkeit war und ist anders. Jens Peter Jacobsen schien etwas von dieser Wirklichkeit begriffen zu haben. In „Die Pest in Bergamo“ läßt er einen jungen Mönch predigen:

Und die da unten sahen wieder zu ihm auf, der leidend und schwach dort hing, sie sahen auf zu dem Brett über seinem Haupte, auf dem geschrieben stand 'Der Juden König', und sie verspotteten ihn und riefen zu ihm hinauf: 'Du, der du den Tempel niederreißest und ihn in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir nun selber; bist du Gottes Sohn, so steig herab von diesem Kreuz!' Da ward Gottes eingeborener Sohn in seinem Sinn erzürnt und sah, daß sie nicht der Erlösung wert waren, die Mengen, die die Erde anfüllen, und er riß seine Füße über dem Kopf des Nagels aus, und er ballte seine Hände um die Nägel in den Händen und zog sie heraus, so daß sich die Arme des Kreuzes wie ein Bogen spannten, und er sprang auf die Erde herab und riß sein Gewand an sich, so daß die Würfel über den Abhang von Golgatha herabrollten, und er warf es um sich mit dem Zorn eines Königs und fuhr zum Himmel auf. Und das Kreuz blieb leer stehen, und das große Werk der Versöhnung war niemals vollbracht. Es gibt keinen Mittler zwischen Gott und uns; es ist kein Jesus für uns am Kreuz gestorben.

Als Jesus sich als der gute Hirte für die Seinen bezeichnet, sagt er:

Darum liebt mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ich's wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht es zu lassen, und ich habe Macht es wiederzunehmen.

Johannes 10, 17+ 18a

Auch bei der Gefangennahme in Gethsemane wird die Macht Jesu deutlich. Da kommt eine Rotte bewaffneter Männer auf ihn zu. Und als Jesus sie fragt, wen sie denn suchen und er sich zu erkennen gibt, erschrecken sie ganz furchtbar.

Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurück und fielen zu Boden.

Johannes 18, 6

Was muß das für ein Bild gewesen sein? Diese mutigen und bewaffneten Knechte erschrecken vor einem einzelnen unbewaffneten Mann so sehr, daß sie zu Boden fallen. Haben sie trotz des äußeren Scheins die Realität Jesu erkannt?

In Johannes 7, 44 ff lesen wir, daß die Knechte Jesus zu den Hohenpriestern bringen sollten, aber es nicht taten. Sie sagten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser.“ Auch sie haben etwas von Jesu Macht gespürt und wagten nicht, ihn anzurühren.

Pilatus sitzt vor Jesus auf dem Richtstuhl. Er sagt, er habe die Macht, mit Jesus zu tun, was er will. Aber diese Macht hat er nicht von sich selbst, nicht vom Kaiser und nicht vom Volk. Diese Macht ist ihm von Gott gegeben, und er muß sie ausüben. Er sitzt auf dem Richtstuhl und trägt dazu bei, daß Jesus auf dem Richtstuhl sitzen wird. Der Richtstuhl ist das Kreuz.

Bevor Jesus seinen Jüngern den großen Auftrag gibt, die Völker zu lehren und zu halten alles, was er ihnen befohlen hat, sagt er:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Math 28, 18

Das ist die Realität. Die Welt sieht ihn an als einen, der mit seiner Mission gescheitert ist. Und leider wird er auch in vielen Predigten und in der Seelsorge so dargestellt: Er, der Leidende, der machtlos in grausame Menschenhände fiel, und darum auch unser Leid und unsere Machtlosigkeit so gut nachempfinden kann. Wenn wir verkannt oder verachtet werden, wenn wir leiden, dann sollen wir auf Jesus sehen, der das auch alles mitgemacht hat. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. Und sogenannte halbe Wahrheiten, verfälschen die Realität.

Am Kreuz sehen wir nicht ein Rückzugsgefecht Gottes, sondern es war sein aktives, machtvolles Handeln, was dort am Kreuz geschah. Er hat es so gewollt und handelt in Macht und Stärke. Kein menschliches Leiden ist mit dem Leiden Christi zu vergleichen. Niemand hat je die Schuld der Welt getragen und dafür gebüßt. Jesus ging nicht in das Leid und in den Tod, um unser Leiden besser nachempfinden zu können. Der Grund seines Leidens und Sterbens war unsere Schuld und die Verherrlichung Gottes.

Es kommt der Tag, da werden sich alle Kniee beugen und alle Zungen bekennen, daß er allein der Herr ist. (Jesaja 45, 23) Das ist die Realität, daß er der Herr ist. Bei seiner Wiederkunft werden das alle Menschen erkennen. Niemand wird es dann wagen, Jesu Macht streitig zu machen. Wer sich nicht schon hier unter seine Macht gebeugt hat, wird dann zittern wie die Knechte im Garten Gethsemane.

II.       Die Ohnmacht des Pilatus

In amerikanischen Bibelfilmen wird Pilatus oft als sehr gebildet dargestellt. Um das zu unterstreichen, spricht er ein vornehmes Oxford-Englisch. Das Bild ist falsch. Pilatus war ein grausamer Machtmensch. Seine Amtszeit war gekennzeichnet durch vielfache Provozierung des jüdischen Volks- und Glaubenslebens. Er entwendete Geld aus dem Tempelschatz, um eine Wasserleitung nach Jerusalem zu bauen. Er war der Bestechung zugänglich und schreckte vor Gewalt nicht zurück. Als Statthalter war er die oberste Instanz. Als Jesus ihm nicht den nötigen Respekt zollte, in dem er ihm keine Antwort gab, wollte er ihm deutlich machen, wer er war: „Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht habe dich zu kreuzigen?“ (Vers 10) So spricht ein Mensch, der merkt, daß der andere seine Autorität nicht anerkennt. Er stellt sich dar und macht seine wirkliche oder angebliche Macht deutlich. Dabei hofft er, daß Menschen sich vor ihr fürchten.

Im zweiten Psalm lesen wir:

Warum toben die Heiden, und die Völker reden so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wieder den Herrn und seinen Gesalbten: 'Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!' Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.

Psalm 2, 1 - 4

Auch Petrus und Johannes haben erfahren, wie der Hohe Rat sich gegen sie und damit gegen den Herrn auflehnte. Er verbietet ihnen, von Jesus zu predigen. Da sagen sie:

Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich zuhauf wider den Herrn und wider seinen Christus: Wahrlich ja, sie haben sich versammelt über deinen heiligen Knecht Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel, zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, daß es geschehen sollte. Und nun, Herr, siehe an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit aller Freudigkeit zu reden dein Wort.

Apostelgeschichte 4, 26 - 29

Pilatus muß sich von Jesus sagen lassen, daß er über ihn keine Macht hätte, wäre sie ihm nicht von Gott gegeben. Das scheint ihn unruhig, ja ängstlich zu machen. Schon in Vers 8 lesen wir, daß Pilatus sich fürchtet. Nicht umsonst spricht man von der Heidenangst. Eigentlich müßte Jesus Angst haben. Aber Jesus fürchtet sich nicht, und er hat es nicht nötig, zu antworten, als Pilatus ihn fragt: „Woher bist du?“ Jetzt, nachdem Jesus ihm seine Lage deutlich gemacht hat, möchte er die Verantwortung nicht mehr für ihn haben. Er sucht eine Gelegenheit, ihn loszulassen. Aber nun kann er es nicht mehr. Er ist machtlos. Er fragt das Volk, was er tun soll. Pilatus, der Machtmensch, der Macht wollte und bekommen hatte, fragt, was er nun tun soll. Man könnte an ein Kinderspiel denken, bei dem ein Kind fragt: „Darf ich Anführer sein, darf ich sagen, was wir machen wollen, bitte ich möchte Leiter sein...Was wollen wir tun?“ Pilatus trachtete, wie er Jesus losließe, und er konnte es nicht. Gott hatte längst bestimmt, was er nun tun mußte. Es scheint, er folgt der Stimme der Juden, die nach Jesu Kreuzigung verlangten. Aber er tat jetzt, „was Gottes Hand und Rat zuvor bedacht hatten.“

In Pilatus begegnet uns der typische Ungläubige. Er stellt viele Fragen, die Antworten will er nicht wirklich hören. Er will sich informieren, die Sache von Weitem beurteilen. Danach kann er sagen: Aha, so ist das. Aber er will keine Konsequenzen daraus ziehen. Er will sich mit einem gewissen Interesse philosophisch damit auseinandersetzen. Aber er will nicht auf das Wort hören, ihm nicht gehorchen. Er will den bequemsten Weg gehen. Das alles fällt unter das Gericht. Und die Macht ist ihm längst aus der Hand genommen. Es sieht aus, als ob Pilatus aus eigener Macht und Entscheidung Jesus verurteilt hat. Dabei stand Gottes Entschluß schon lange fest.

III.       Gott siegt in äußerer Schwachheit und Niedrigkeit

Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.

Jesaja 53, 7

Da heißt es wieder Realität und Schein voneinander zu unterscheiden. Siege sehen nach unserer Vorstellung ganz anders aus. Auch die Jünger benahmen sich nach Jesu Kreuzigung nicht so, als wenn Jesus gerade einen Sieg, ja den Sieg überhaupt errungen hatte. Jesus hatte gesiegt gegen den Tod und den Teufel. Pilatus, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten, ja das ganze jüdische Volk dachte, jetzt wäre die Karriere des Mannes aus Nazareth zu Ende. Bald würde niemand mehr davon reden. Offensichtlich hatte er Macht gehabt, Kranke zu heilen und sogar Tote auferstehen zu lassen. Aber sich selbst konnte er nicht helfen. Am Ende hatten sie doch gesiegt und er verloren. So sah es aus.

Doch der Schein trügt. Schon drei Tage danach zeigt Gott mit der Auferstehung Jesu seine große Macht und Herrlichkeit. Er zeigt sie zu seiner Zeit. Und nur der wird sie sehen, der auch schon vorher Realität und Schein hat unterscheiden können. Der wird Jesu Macht erkennen, der sich auch in seiner Niedrigkeit zu ihm bekennt.

Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind. Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung. Nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt und das da nichts ist, daß er zunichte mache, was etwas ist, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme.

1. Korinther 1, 25 - 29

Als Paulus und Johannes im Gefängnis sitzen (Apostelgeschichte 4), bitten sie nicht um ein Ende der Verfolgung. Sie bitten darum, daß sie mit Freimut sein Wort verkünden können. Paulus wollte von seiner Schwachheit befreit werden. Ein körperliches Gebrechen belastete ihn, und er bat Jesus dreimal darum, es von ihm zu nehmen. Dann sagt der Herr zu Paulus:

Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Urtext: „Es genügt dir meine Gnade; denn die Kraft in Schwachheit wird vollendet.

2. Korinther 12, 9a

Darauf konnte Paulus antworten:

Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Muts in Schwachheiten, in Mißhandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

2. Korinther 12, 9b+10

Wie sehr vertraute Paulus auf die Macht Gottes, wie sehr vertraute er auf die Kraft, die in der Botschaft vom Kreuz steckt. Er vertraute nicht auf sich und seine eigene Kraft, nicht auf menschliche Anerkennung, nicht auf eigene Erkenntnis noch Weisheit. An die Korinther schreibt er:

Und ich, liebe Brüder, da ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt. Denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, als allein Jesum Christum, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und Zittern; und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft, auf daß euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

1. Korinther 2, 1 - 5

Solange Menschen die weltliche Anerkennung suchen, können sie nicht Gottes Willen erfüllen. Die Jünger und die Apostel waren davon frei. Sie folgten Jesus nach in ihrer Schwachheit, nicht in eigener Kraft und Stärke. Das ist der Weg, auf dem Gott zum Sieg führt.

Wie anders sähe heute unsere Verkündigung in vielen Gemeinden aus, wenn den Verkündigern klar wäre, daß Gott in äußerer Schwachheit und Niedrigkeit siegt, aber das er siegt. Wenn wir das begriffen haben, werden wir auch falsche Verkündiger erkennen, die in ihrer eigenen Kraft daherkommen. Es sind die, die an den Hörern Überzeugungsarbeit leisten wollen, statt auf die Kraft des Heiligen Geistes zu trauen. Wir werden erkennen, wo Menschenkraft am Werk ist, weil man sich der Niedrigkeit des Kreuzes schämt. Wir müssen hellhörig werden, wenn uns die Botschaft vom Kreuz präsentiert wird als „die positive Botschaft als Quelle der Kraft und Hoffnung, der Motivation und Ermutigung von Menschen aller Nationen, Rassen, Glaubensrichtungen und Glaubensbekenntnissen“. (www.hourofpower.de) Wir müssen acht geben, wenn der Pastor von vielen Menschen geschätzt ist als Redner und Motivator für seine Fähigkeit, andere zu ermutigen und zu inspirieren.

„Auf das sich kein Fleisch rühme“, sagt Paulus.

Pilatus saß versehen mit Macht und Einfluß in seinem Amt als Statthalter. Die Macht war ihm vom Kaiser verliehen. Gott selbst versah ihn mit der Macht, Jesus zu verurteilen zum Tod am Kreuz. Die Jünger und alle, die Jesus lieb hatten, standen hilflos da. Ihre Stunde war noch nicht gekommen. Als sie mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet waren, konnten sie gegen allen Widerstand menschlicher Macht der Welt frei verkünden, wer Jesus Christus ist. Sie konnten verkünden, daß der Mann, der schmachvoll am Kreuz gestorben war, die Macht hat im Himmel und auf Erden.

Wir haben keine Macht, Menschen von der Wahrheit des Evangeliums zu überzeugen. Darum werden auch wir manchmal nur hilflos zusehen können, wenn Gottes Wort nicht angenommen, sondern abgelehnt und verlästert wird. Hesekiel sah in einer Vision schreckliche Dinge, die im Tempel in Jerusalem geschahen. Aber es waren Menschen da, die das nicht mitmachten und seufzten und stöhnten über diese Greuel. Mehr konnten sie offensichtlich nicht tun. Und Gott machte ein Zeichen auf ihre Stirn. Vor dem Gericht Gottes, das unweigerlich kommen wird, werden sie damit bewahrt.

Vielleicht können wir manchmal auch nicht viel mehr tun, als seufzen. Aber wir können in unserer Schwachheit bekennen, was Jesus Christus am Kreuz für uns getan hat, und können gewiß sein, daß sein Wort und sein Geist noch die gleiche Kraft haben.

„Weißt du nicht, daß ich Macht habe“, sagte Pilatus auf seinem Richtstuhl. Letztlich war er es, der gerichtet wurde. Jesus, der Verurteilte, ist der Richter, der wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. So bekennen wir es im Glaubensbekenntnis. Philippus erkärt dem Kämmerer:

In seiner Niedrigkeit ist sein Gericht aufgehoben.

Apostelgeschichte 8, 33a

Was schwach ist, das hat Gott erwählt. Wer bekennt, daß er aus eigener Kraft sich nicht erlösen kann, sondern weiß, daß sein Erlöser lebt, für den ist das Gericht aufgehoben. Er kann sich seiner Schwachheit rühmen und darauf trauen, daß Gottes Kraft in den Schwachen zur Vollendung kommt.

Herr Jesus Christus,

trotz Drohen der Heiden, trotz der Schwachheit deiner Kinder, trotz der Armseligkeit unseres Bekenntnisses, führst Du immer noch Menschen zum lebendigen Glauben an Dich. Bewahre Du uns vor Verführung und vor Verkündigung, die auf Menschenweisheit gegründet ist. Wehre du allem Spektakel, das mit deinem heiligen Wort getrieben wird. Laß dein Wort vom Kreuz verkündigt werden in der Kraft deines Heiligen Geistes. Gib uns die Fähigkeit, die Realität vom Schein zu unterscheiden. Wo wir nichts tun können, laß uns wenigstens zu denen gehören, die sich vom Bösen abwenden und seufzen. Dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Fußnoten

Mel Gibson

Jens Peter Jacobsen