Soli deo Honor et Gloria, Solus Christus, Sola Scriptura, Sola Gratia, Sola Fide
- Soli deo Honor et Gloria - Gott allein sei Ehre und Ruhm
- Solus Christus - Christus allein
- Sola Scriptura - Die Bibel (das Wort Gottes) allein
- Sola Gratia - Gnade allein
- Sola Fide - Glauben allein
In diese fünf Prinzipien läßt sich die Reformation Martin Luthers zusammenfassen. Wenn wir sie im Licht der Bibel näher betrachten, werden wir feststellen, wie weit wir uns von diesen Grundgedanken in unserer Kirche, in den Gemeinden und in unserem persönlichen Leben entfernt haben. Das prophetische Wort Martin Luthers scheint sich erfüllt zu haben: „In der Zukunft wird wieder aufgebaut werden, was wir abgeschafft haben, und es wird abgeschafft werden, was wir aufgebaut haben.“
I. Gott allein sei Ehre und Ruhm
Da die Wörter Ehre und Ruhm auch mit Autorität zu tun haben, sind sie in unserem Sprachgebrauch selten geworden. Das heißt nicht, daß wir heute niemand mehr Ehre erweisen, häufig sogar Nichtigem. Durch vielerlei Dinge kann ein Mensch berühmt werden und viel Ruhm erlangen, der ihm gar nicht zusteht. Wir geben Menschen die Ehre, die ihnen nicht gebührt, oder streben oft selbst danach. Wir rühmen vieles, was nicht rühmenswert ist, oder möchten selbst ein wenig Ruhm. In oft unerträglicher Weise genießen selbst Kirchenoberhäupter oder Fernsehpfarrer Ruhm und Ehre. Auch in Gemeinden ist es zur Unsitte geworden, einige Mitarbeiter, Leiter, Chormitglieder oder den Pastor in unangemessener Weise zu rühmen. Viele sind es gewohnt, daß sie ohne diese Ehrung ihren sogenannten ehrenamtlichen Dienst gar nicht mehr machen würden.
Ernst Modersohn schreibt in seinem Buch über Elisa „Ein gesegnetes Leben“:
Wie oft macht sich bei Kindern Gottes das eigene Ich noch so breit. Wie oft spielen die eigene Person und die eigene Ehre noch eine so große Rolle! Man sagt vielleicht oder schreibt vielleicht: Ich erzähle das nur zur Ehre des Herrn. Und doch hört und liest man aus alledem ein großes Ich heraus. Dazu kann der Herr sich nicht bekennen. Wenn wir die Ehre an uns reißen, die ihm gebührt, dann wird er beraubt, dann wird er betrübt. O daß die Kinder Gottes es doch lernen möchten, so wie Elisa zurückzutreten, um dem Herrn die Ehre allein zu lassen.
Und es gibt noch eine andere Gefahr. Es besteht nicht nur die Gefahr, etwas von der Ehre an sich zu reißen, die dem Herrn zukommt, es besteht auch die Gefahr, daß man Menschen etwas von der Ehre gibt, die Gott gebührt. Wie viele Kinder Gottes sind so unverständig, Gottes Werkzeuge zugrunde zu richten durch Lob und Huldigung. Sie empfangen einen Segen durch sie, und dann tun sie so, als wenn sie diesen Segen von den Menschen bekommen hätten. Sie danken den Menschen dafür; sie loben und rühmen die Menschen dafür. Das ist unverständig. Ja, für die Werkzeuge in Gottes Hand, für seine Knechte kann es geradezu verderblich sein. Wie mancher Knecht Gottes, der gesegnet begann, ist schon durch Lob ruiniert worden, so daß Gott ihn nicht mehr gebrauchen konnte.“
Auch für den „besten” Mitarbeiter gilt:
Denn hier ist kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten;
Römer 3, 23
So sehr wir bereit sind Ehre und Ruhm Menschen und menschlichen Leistungen zu geben, so wenig kommen Ehre und Ruhm in Verbindung mit Gott in der modernen Verkündigung vor. Es spricht sich viel leichter von Gott, wenn wir von seiner Liebe, von seiner Gnade, seiner Treue, seiner Hilfe vielleicht noch seiner Allmacht erzählen. All das gehört zu Gott, das ist keine Frage. Aber das sind Dinge, die wir von ihm erwarten. Was erwartet Gott von uns?
Im Herkunftswörterbuch steht unter
- Ehre: Ehrerbietung, Ansehen, Ruhm, Sieg, Herrschaft, Ehrgefühl, ehrenhaftes Benehmen, Verehrung, Scheu, Ehrfurcht, Würde, Achtung.
- Ruhm: hohes Ansehen
In der Bibel wird uns nicht nur gesagt, wie Gott ist, sondern vor allem, was er tut, getan hat, tun wird und von uns erwartet.
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6, 8
Auch wenn wir in sogenannten Lobpreisliedern die Worte Anbetung, Ehre, Preis und Ruhm gebrauchen, heißt das nicht, daß wir Gott damit ehren und rühmen. Nur mit einer bußfertigen Gesinnung, mit einem gehorsamen Leben und einem liebenden Herzen kann der Mensch Gott ehren. Sonst wird es heißen: „Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Psalterspiel nicht hören.“ (Amos 5, 23).
Gott schuf Himmel und Erde aus dem Nichts. Er ist der Weltenschöpfer und Weltenherrscher. Alles ist ihm untertan. Die Gesetze vom Sinai beginnen: „Ich bin der Herr, dein Gott“ und weiter heißt es „du sollst keine andern Götter haben neben mir ..du sollst dir kein Bildnis oder Gleichnis machen, ..du sollst den Namen des Herrn deines Gottes, nicht mißbrauchen,.. ich bin ein eifriger Gott.“ (5. Mose 5, 6 ff)
Die Gebote wie: „Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch Zeugnis reden, den nächsten lieben“ sind vielen, als Kind gelernt, ein Leben lang im Gedächtnis - von deren Befolgung einmal abgesehen. Aber was Gott erwartet, ist mehr als ein moralisches Leben, das auch viele Heiden führen.
Gott zu ehren, seinen Namen zu rühmen heißt, seine göttliche Autorität anzuerkennen, nicht nur allgemein, sondern in meinem ganz persönlichen Leben. Wenn ich ein unrühmliches Leben führe, schmälere ich seinen Ruhm dadurch, daß die Welt von meinem Leben auf Gott schließt. Seine Ehre und sein Ruhm werden angetastet, indem wir seinen Willen und sein Wort dem Zeitgeist anpassen. Wir machen uns dann ein Bild von ihm, das nicht dem Gott der Schrift entspricht. Gott ist ein eifernder Gott. Er wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
Heinrich Kemner soll gesagt haben:
Wer vor Gott kniet, der kann vor Menschen stehen,
wer meint, vor Gott stehen zu müssen, wird vor Menschen knien.
Das ist sicher richtig. Aber es ist nur ein Nebeneffekt, wenn wir Gott die Ehre geben, die ihm gebührt.
II. Christus allein
Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.
Apostelgeschichte 4, 12
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Matthäus 28, 18b
Daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters.
Philipper 2, 10 + 11
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Johannes 14, 6
Mit Blick auf den Aufkleber, den ich früher auf meinem Auto hatte „Ich glaube an Jesus Christus“ fragte mich eine ältere Frau: „Ist das noch ein anderer Glaube als an Gott?“ Und jemand, von dem ich weiß, daß er die Schrift kennt, sagte mir: „Ich kann nicht glauben, daß Menschen verloren gehen, wie zum Beispiel Mahatma Gandhi, der sich um Frieden ohne Gewalt bemühte, oder Tolstoi, der Nächstenliebe übte und das Evangelium ins Russische übersetzte oder Albert Schweitzer, der in aufopfernder Weise als Arzt in Lambarene den Ärmsten in Afrika half.“
Es geht nicht darum, was wir uns vorstellen können, oder was wir denken oder für richtig erachten. Wer Christus nicht als den Sohn Gottes anerkennt, wer seine Erlösungstat am Kreuz nicht für sich akzeptiert und in Demut annimmt, wer meint, keiner Erlösung zu bedürfen, kommt ins Gericht. Nur Christus ist es, der ihn davor bewahren kann.
Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet; denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
Johannes 3, 16 – 18
Es gibt keinen Mittler zwischen Mensch und Gott, als allein Jesus Christus. Der Name Jesu ist heute in vieler Mund. In der Art und Weise, wie von ihm gesprochen wird, befürchte ich, daß er eines Tages zu vielen sagen muß: „Ihr kennet weder mich noch meinen Vater.“ (Johannes 8, 19)
Petrus bekennt:
Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.
Matthäus 16, 16
Und doch hatte er ganz andere Vorstellungen von dem, was Jesus für ihn und die Menschen sein und tun sollte. Als er von dem Leiden und Sterben seines Herrn erfuhr, sagte er:
Herr, schone dein selbst; das widerfahre dir nur nicht!
Matthäus 16, 22
Später hat er erfahren dürfen, warum Christus in die Welt gekommen ist, und hat es in seiner wunderbaren Pfingstpredigt (Apostelgeschichte 3, 12 ff) bezeugt.
„Christus allein“ bedeutet, Christus allein, wie er uns in der Schrift bezeugt wird, durch ihn selbst und die Apostel. Durch einen Christus, der nur unser Freund und Helfer, aber nicht unser Sünderheiland sein soll, sind wir nicht gerettet. „Christus allein“ bedeutet auch Christi Kreuz auf sich nehmen.
III. Allein das Wort
Der christliche Büchermarkt quillt über, die Kataloge der christlichen Verlage werden immer dicker. In einem Katalog fand ich ein Buch, das den Leitern von Hauskreisen und Bibelstunden „die aufwendige und mühevolle Arbeit der Vorbereitung abnehmen“ sollte. Da wird die Beschäftigung mit dem Wort Gottes sozusagen als zeitraubende Tätigkeit hingestellt. Weltweit werden Handbücher, Anleitungen und Broschüren von sogenannten großen und erfolgreichen Predigern herausgegeben und gelesen. Richtig und wichtig ist das, was Erfolg verspricht. Erfolg ist, wenn viele Menschen in die Kirchen und Versammlungen kommen. Erfolg ist, wenn sie sich bei der Predigt wohl fühlen. Erfolg ist, wenn viele Menschen sagen, sie wollen Jesus folgen. Aber die Frage ist: Lernen sie die Schrift kennen, werden sie ermutigt und ermahnt selbst in ihr zu lesen und zu forschen, oder hören sie alles nur aus zweiter Hand? Werden sie Jesus folgen oder nur dem, den sie dafür halten?
Die evangelische Kirche hat zwar keinen Papst, dessen Wort gleichberechtigt neben der Bibel steht. Aber die Hörigkeit vieler Evangelikalen gegenüber Predigern, die das Wort Gottes verflachen, verfälschen und relativieren (mit etwas anderem in Beziehung bringen und dadurch die Gültigkeit einschränken) ist ebenso schlimm.
Paulus schreibt an die Galater:
Aber so auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.
Galater 1, 8
Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.
2. Timotheus 3, 16 + 17
Daß im Theologiestudium an weltlichen Universitäten Bibelkritik geübt und gelehrt wird, ist nicht neu. Erschreckend ist, daß inzwischen Bibelschulen, die bekannt waren für ihre Bibeltreue, das gleiche tun.
Im 5. Buch Mose lesen wir:
Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten, daß ihr danach tut. Ihr sollt nichts dazutun noch davontun. Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch wird aufstehen und gibt dir ein Zeichen oder Wunder und das Zeichen oder Wunder kommt, davon er dir gesagt hat, und er spricht: Laß uns anderen Göttern folgen, die ihr nicht kennet, und ihnen dienen, so sollst du nicht gehorchen den Worten solches Propheten oder Träumers; denn der Herr, euer Gott, versucht euch, daß er erfahre, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebhabt. Denn ihr soll dem Herrn, eurem Gott, folgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhangen. Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, darum daß er euch von dem Herrn, eurem Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich von dem Diensthaus erlöst hat, abzufallen gelehrt und dich aus dem Wege geführt hat, den der Herr, dein Gott, geboten hat, darin zu wandeln; auf daß du das Böse von dir tust.
5. Mose 13, 1 – 6
Wer zu denen gehört, die von dem „Diensthaus der Sünde“ erlöst sind, sollte acht geben auf falsche Propheten und Träumer. Sie tarnen sich oft als fromme Menschen. Aber Jesus sagt, daß seine Schafe seine Stimme kennen, und ihm nachfolgen. Einem Fremden folgen sie nicht nach (Johannes 10, 3 ff). Dazu müssen wir die Stimme kennen lernen, und diese Stimme lernen wir nur in der Schrift kennen. Alles andere ist Schwärmerei. Wenn Gottes Wort nicht mehr Maßstab aller Dinge für uns ist, werden wir in die Irre laufen wie Schafe (Jesaja 53, 6).
Ein Indiz für unbiblische Verkündigung ist, wenn dabei der Mensch im Mittelpunkt steht, der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Befindlichlichkeiten und Ansprüchen. Manchmal gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem, was ein Prediger sagt, und dem, was Therapeuten, Psychologen, Umweltschützer oder Politiker sagen.
IV. Gnade allein
Als Gott im Hain Mamre Abraham erschien, der Freund Gottes genannt wird, sprach Abraham:
Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht an deinem Knecht vorbei.
1. Mose 18, 3
Die großen Männer des Alten Testamentes wußten, das alles an der Gnade Gottes gelegen war. Es stand ihnen nichts zu. Wenn Gott sich ihnen zuwandte, ihnen Bewahrung, Frieden, Wohlstand, Gelingen für ihre Vorhaben und Vergebung ihrer Schuld gewährte, geschah das alles aus Gnade.
David freut sich der Gnade Gottes:
Denn du, Herr, segnest die Gerechten; du krönest sie mit Gnade wie mit einem Schilde.
Psalm 5, 13
Ich sprach: Mein Fuß hat gestrauchelt; aber deine Gnade, Herr, hielt mich.
Psalm 94, 18
Israel hoffe auf den Herr, denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm; und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.
Psalm 130, 7
Wir hören schon im Alten Testament von der Gnade, daß Gott erlösen wird von Sünden. Täglich sind wir auf seine Gnade angewiesen; und jeder, der den Herrn kennt, wird bezeugen können, wieviel Gnade er ihm in seinem Leben schon erwiesen hat. Doch die größte Gnade, die Gott dem Menschen erweist, ist die, daß er ihn erlöst von Sünde und Tod.
Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist.
Römer 3, 24
Einige gläubig gewordene Pharisäer sagten zu Petrus, man müsse die gläubigen Heiden beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Mose zu halten. Darauf hin sagt Petrus:
Was versucht ihr denn nun Gott mit Auflegen des Jochs auf der Jünger Hälse, welches weder unsre Väter noch wir haben können tragen? Sondern wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesu Christi selig zu werden, gleicherweise wie auch sie.
Apostelgeschichte 15, 10 + 11
Luther hatte viel gelernt, was er tun müßte, um Gott gefällig zu sein. Aber er spürte, das nichts ausreichte, und seine Frage, die in ihm brannte und ihm keine Ruhe ließ, war: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Die Antwort fand er im Römerbrief.
Im Augsburger Bekenntnis von 1530, das Philipp Melanchthon verfaßt hat, heißt es:
Vom freien Willen wird gelehrt, daß der Mensch etlichermaßen einen freien Willen hat, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter den Dingen, so die Vernunft begreift; aber ohne Gnade, Hilfe und Wirkung des Heiligen Geistes vermag der Mensch nicht Gott gefällig [zu] werden, Gott herzlich zu fürchten oder zu glauben oder die angeborene böse Lust aus dem Herzen zu werfen, sondern solches geschieht durch den Heiligen Geist, welcher durch Gottes Wort gegeben wird. Denn Paulus spricht 1. Korinther. 2, 14: 'Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes.'
Und der nun weiß, daß er einen gnädigen Gott durch Christum hat, kennt also Gott, ruft ihn an und ist nicht ohne Gott wie die Heiden.“
V. Glaube allein
Weiter heißt es im Augsburger Bekenntnis:
Denn der Teufel und [die] Gottlosen glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünden, nicht, darum sind sie Gott feind, können ihn nicht anrufen, nichts Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben, und heißt nicht glauben ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben. Denn also wird vom Glauben gelehrt zu den Hebräern am 11., daß glauben sei nicht allein die Historien wissen, sondern Zuversicht haben zu Gott, seine Zusage zu empfangen. Und Augustinus erinnert uns auch, daß wir das Wort "Glaube" in der Schrift verstehen sollen, daß es heiße Zuversicht zu Gott haben, daß er uns gnädig sei, und heiße nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen.
Ferner wird gelehrt, daß gute Werke sollen und müssen geschehen, nicht daß man darauf vertraue, Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes willen und Gott zu Lob. Der Glaube ergreift allezeit allein Gnade und Vergebung der Sünden. Und dieweil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, so wird auch das Herz geschickt, gute Werke zu tun. Denn zuvor, dieweil es ohne den Heiligen Geist ist, so ist es zu schwach, dazu ist es in des Teufels Gewalt, der die arme menschliche Natur zu vielen Sünden treibt; wie wir sehen in den Philosophen, welche sich unterstanden, ehrlich und unsträflich zu leben, haben aber dennoch solches nicht ausgerichtet, sondern sind in viele große, öffentliche Sünde gefallen. Also geht es mit dem Menschen, so er außer dem rechten Glauben ohne den Heiligen Geist ist und sich allein durch eigene menschliche Kräfte regiert.
Im Römerbrief im 3. Kapitel führt Paulus die Rechtfertigung durch den Glauben an Christus aus.
Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christum zu allen und auf alle, die da glauben. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Römer 3, 22+ 28
Im Johannesevangelium lesen wir die Worte Jesu:
Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
Johannes 5, 24
Der rettende Glaube und die Erlösung ist allein Gottes Werk. Bilden wir uns ein, aus eigener Kraft glauben zu können, schmälern wir seine Gnade.
Paulus schreibt an die Epheser:
In diesem auch sind wir ausersehen worden, vorherbestimmt nach dem Vorsatz des, der alle Dinge wirkt, nach dem Ratschluß seines Willens.
Epheser 1, 11
Auf der Grundlage von 2. Timotheus 1, 12 schrieb Ernst Moritz Arndt den Text für das Lied mit der Melodie von Heinrich Schütz:
Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht,
wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht;
ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt,
wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.
Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut,
er heißt der Fürst der Geister, auf den der Himmel schaut,
vor dem die Seraphinen anbetend niederknien,
um den die Engel dienen: ich weiß und kenne ihn.
Vater im Himmel,
mit unseren Worten und Werken haben wir Dir wenig Ehre gemacht. Oft haben wir mehr auf unser Ansehen Wert gelegt, als Deinen Ruhm bekannt. Vergib du uns unsere Schuld um Jesu Willen. Festige und stärke du unseren Glauben, daß wir froh bekennen können: „Ich weiß woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht.“ Sei du selbst unser Lehrer in deinem Wort, damit wir es verstehen, deine Stimme darin erkennen und dir folgen. Wirke du in uns und in deiner Gemeinde die rechte Buße, damit wir dir allein die Ehre geben, neben deinem Wort nichts gleichwertig gelten lassen, deine Gnade preisen und dir, Herr Jesus Christus, in allen Dingen glauben und vertrauen.
Amen