Ingrid Puschinski - www.puschinski.net

Geistliches Wachstum - Reich Gottes

26 Und er sprach: Also ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft, 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß selbst nicht wie. 28 Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel, denn die Ernte ist da. 30 Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Gottes vergleichen? oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? 31 Gleichwie ein Senfkorn, welches, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle Samen, die auf der Erde sind; 32 und, wenn es gesät ist, aufschießt und größer wird als alle Kräuter und große Zweige treibt, so daß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels sich niederlassen können. 33 Und in vielen solchen Gleichnissen redete er zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten. 34 Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; aber seinen Jüngern erklärte er alles besonders.

Markus 4, 26-34

I.       Der Same des Evangeliums und der Acker des menschlichen Herzens

Für die Menschen seiner Zeit war es ein vertrautes Bild, das Jesus in seinem Gleichnis gebraucht. Es war eine ganz alltägliche Tätigkeit, wenn ein Mann seine Saat auf das Land streute. Jahr für Jahr, vielleicht auch zweimal im Jahr, wurde diese Arbeit getan. Wenn der Same gut war und der Boden ausreichend vorbereitet, dann wogte nach einigen Monaten dort ein herrliches Getreidefeld. Das war und ist ganz normal und doch wieder ein Wunder Gottes. Aus ein paar Körnern, die man in die Erde gibt, werden so viele, daß man davon ein Brot backen kann. Aus einem winzigen Korn, wie es das Senfkorn ist, wird ein großer Baum, der Schatten spendet und den Vögeln Schutz bietet. Hin und wieder kommen auch wir noch darüber ins Staunen.

So wunderbar es ist, daß Gott immer noch Wachstum und Gedeihen schenkt für unser tägliches Brot, in diesem Gleichnis geht es nicht um unser Getreide oder um Bäume. Es geht um etwas, was wichtiger ist, als Essen und Trinken. Es geht um das Reich Gottes, um das Evangelium und um unser geistliches Wachstum. Darum ist es ja ein Gleichnis. Jesus bedient sich meistens der Tätigkeiten und Dinge, mit denen die Menschen im Alltag zu tun haben.

Der Same, der auf das Land geworfen wird, ist nicht näher beschrieben. Das ist auch nicht nötig, denn jeder weiß, daß nur aus gutem Samen gute Pflanzen hervorgehen können. Nur aus Weizensamen wächst Weizen, aus Unkrautsamen nur Unkraut.

Denn sie säen Wind und werden Ungewitter einernten; ihre Saat soll nicht aufkommen und ihr Gewächs kein Mehl geben.

Hosea 8, 7a

Der Same, von dem Jesus spricht, ist das Evangelium. Es ist die Botschaft vom Kreuz, vom Gottessohn, der die Schuld des von Gott getrennten Menschen auf sich nahm, und mit seinem Leiden und Sterben dafür büßte. Es ist die Verheißung Gottes, daß jeder, der daran glaubt, das ewige Leben haben wird, und nicht in das Gericht kommt (Johannes 5, 24). Es ist die Aufforderung, Buße zu tun, weil das Himmelreich nahe ist (Matthäus 4, 17). Es ist die Ankündigung des Reiches Gottes, in dem Gott alle Tränen abwischen wird von unseren Augen, und in dem wir ihn sehen werden, weil er mitten unter uns wohnen wird (Offenbarung 21).

Wer berufen ist, den Samen auf das Land zu streuen, sollte vorerst sehen, ob er den rechten Samen hat. Der Same kommt allein von Gott. Nur im Wort Gottes liegt und mit ihm verbindet sich die Offenbarung Jesu und der Heiligen Schrift. Nur sie ist der unvergängliche Same der Wiedergeburt.

Wer seinen eigenen Samen streut, den er nicht vom Herrn empfangen hat, kann nicht mit Wachstum und Frucht rechnen. Aus ihm wird nicht das Reich Gottes hervorgehen, allenfalls eine religiöse Gesellschaft oder im besten Fall ein christlich-moralisches Denken. Das mag sich eine Weile halten und auch unser Miteinander etwas erleichtern. Aber es hat mit dem Reich Gottes so wenig zu tun, wie ein Gänseblümchen am Wegesrand mit einem reifen Kornfeld. Es erfreut den Wanderer ein wenig, aber es wird ihn niemals satt machen können.

Der Same, den wir selbst gezogen haben auf dem Feld unserer Selbstgerechtigkeit, unserer menschlichen Weisheit, unserer Ideen, Meinungen, Vorstellungen und Gefühle ist schlechte Saat. Sie bringt nur Unkraut hervor. Manches Unkraut ist für das menschliche Auge hübsch anzusehen. Aber die Frucht davon ist wieder Unkraut. Wenn es mit dem guten Samen des Evangeliums vermischt wird, mag ein wenig Frucht aufgehen. Die Gefahr vom Unkraut erstickt zu werden, ist groß.

Als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt.

1. Petrus 1, 23

Wer wiedergeboren ist aus diesem unvergänglichen Samen, der weiß sich verbunden mit denen, die auch aus diesem Samen kommen. Bei dem Gleichnis vom Senfkorn, wird von einem Strauch gesprochen, der sehr schnell einen holzigen Stamm und viele Zweige bildet und eine Höhe von 2,5 bis 3,00 Meter erreicht. In dem Lied „Herz und Herz vereint zusammen“ von Graf von Zinzendorf heißt es: „Zünde an die Liebesflamme, daß ein jeder sehen kann: wir, als die von einem Stamme stehen auch für einen Mann.“

Dieser Mann alleine kann uns den rechten Samen geben. Wir brauchen nur zu streuen. Das Feld dafür wird der Herr jedem zuweisen. Meist kennen wir es selbst, auch wenn es uns oft nicht gut genug erscheint, zu klein oder auch zu groß. Gott gibt uns den Samen und den Acker.

Auch den Boden wird der Herr selbst vorbereiten. Er kann die Herzen aufschließen und das Wollen und das Vollbringen wirken (Philipper 2, 13). Ein bußfertiges Herz ist ein bereiteter Boden. Selbstgerechtigkeit und enge Verbundenheit mit der Welt machen das Herz unempfänglich für den Samen des Evangeliums. Durch Schuld, falsche Lehre und schlechte Erfahrungen mit Christen kann der Acker hart und fest werden bei Unbekehrten. Bei Bekehrten macht ein sündhaftes Leben das Herz immer unempfindlicher für Gottes Wort.

Heute wird vielfach das einfache Ausstreuen der Saat mit Propaganda verwechselt. Wo das geschieht, wird entweder falscher Same gestreut, oder dem Samen des Evangeliums keine Kraft, kein Wachstum und keine Frucht mehr zugetraut. Dabei steckt in dem göttlichen Samen soviel Kraft, daß er auch heute noch harte Herzen sprengen kann.

Gottes großer Fürsorge haben wir es zu verdanken, daß der Same auf das Land geworfen wurde durch Apostel, Prediger, Schriften, durch die Reformation, durch christliche Hausväter und -mütter, und das es auch heute noch geschieht. Wo der Same nicht gestreut wird, wächst etwas anderes, Dornen, Unkraut und Diesteln.

II.       Wachstum und Frucht

Nach der Aussage in diesem Gleichnis kann der Bauer nach der Aussaat sich schlafen legen, am Tage anderen Verrichtungen nachgehen und dann einfach nur warten. Er weiß, daß er zum Wachstum und zur Frucht nichts mehr tun kann und muß.

Heute würden viele einwenden, daß dem ja nicht so sei. Man muß für künstliche Bewässerung sorgen, Unkrautvernichtungsmittel ausbringen und ausreichend Kunstdünger; auch der Schädlinge muß man Herr werden durch entsprechende Chemie. In vielen Fällen scheint es uns sogar ratsam zu sein, den Samen gar nicht mehr Sonne, Wind und Regen auszusetzen, sondern ihn gleich in Gewächshäusern gedeihen zu lassen.

„Ein Reicher kommt schwer ins Himmelreich“ sagt Jesus in Matthäus 19. 2000 Jahre nach dem Jesus dieses Gleichnis erzählt hat, sind die Menschen so reich an Wissen, an Erfindungen, an Möglichkeiten. Es fällt darum vielen schwer, dieses Gleichnis zu verstehen und auf das eigene Leben anzuwenden. Da wir alles für machbar halten, wollen wir auch alles machen.

Wir nehmen uns so wichtig. Nichts scheint mehr ohne uns zu gehen. Wir halten alles krampfhaft in unserer Hand. Dadurch kommen die Sorgen. Wir könnten doch etwas versäumt haben! Wir sehen nicht die Augen, die über uns wachen, darum wachen wir lieber selbst. Wir vergessen, daß doch alles in Gottes Hand liegt.

Jesus sagt:

Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

Matthäus 6, 28

Helmut Thielicke schreibt:

Es ist ein unsagbarer Trost, zu wissen, daß mitten in der Unheilsgeschichte, die der Mensch macht, daß mitten in seinem Planen und Sich-Verspekulieren, daß mitten in seinem Gestalten und Verunstalten, daß mitten in seinem Aktivismus und in seinem Scheitern noch der Strom eines ganz anderen Geschehens eingelassen ist, daß Gott seine Saaten wachsen läßt und bei seinen Zielen ankommt.

Für unser irdisches Leben hat Gott verheißen:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

1. Mose 8, 22

„Noch wächst das Weizenkorn trotz unserer Schuld“ singt Jan Vering. Auch wenn wir es schaffen würden, die Schöpfung kaputt zu machen, ist der Herr immer noch am Werk. Aber wir verfehlen den Trostgehalt dieser Zusage, wenn wir in der Natur das Heil sehen. Die Schöpfung wird eines Tages abgebrochen (Offenbarung 21). Die Erde ist keine ewige Heimat. Darum lehrt Jesus uns beten: „Dein Reich komme.“

So wenig wie wir wirklich für das Wachsen und Frucht bringen auf unseren Feldern und in den Gärten tun können, so wenig können wir für das Wachsen und Frucht bringen im Reich Gottes tun. Haben wir den Samen ausgebracht, müssen und dürfen wir warten.

Paulus sagt:

Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzt noch der da begießt, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

1. Korinther 3, 6 + 7

Warten erfordert Geduld. Wer diese Geduld nicht hat, und bald nach der Aussaat Früchte sehen möchte, greift zu Mitteln, die seiner Meinung nach den Vorgang des Wachsens beschleunigen. Mengen an Kunstdünger bringen vielleicht einen schnelleren Ertrag, die Frucht aber ist belastet oder gar verdorben. Wer bei der Verkündigung des Wortes Gottes Mittel der Propaganda einsetzt, wer versucht, Menschen zu manipulieren, erhält Scheinbekehrungen als Frucht. Wo falsche Versprechungen gemacht werden, die das Wort Gottes nicht kennt, wo der Kunstdünger der Psychologie eingesetzt wird, kann nicht die Frucht des Geistes hervor gehen. Zuerst, wenn die Pflanze beginnt zu wachsen, sieht sie dem Weizen ähnlich. Erst später bemerkt man, daß es Unkraut ist.

Wir dürfen getrost und sicher sein, daß Gott alles gibt, damit der Same des Evangeliums aufgeht.

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn. Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid ihr auch geduldig und stärket eure Herzen; denn die Zukunft des Herrn ist nahe.

Jakobus 5, 7 + 8

Wenn es aber Zeiten und Orte gibt, wo der Herr zum Wachsen und Gedeihen die Kräfte von oben versagt, wo das Land dürre und wüst liegen bleibt, müssen wir begreifen, daß wir keine Mittel haben, Wachstum und Frucht zu erzeugen.

Robert Jungk schreibt in seinem Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“ über die „Regenmacher“ in den USA. Mit Flugzeugen fliegt man in große Wolken hinein, entleert Behälter mit Trockeneisteilen oder verschießt Silberjodid-Patronen. Danach entlädt sich die Wolke, und es regnet.

Das Buch ist spannend und erschreckend zugleich. Jungk sagt: „Eine reife Menschheit, die sich über die Folgen dessen, was sie treibt, Rechenschaft ablegt, könnte zu dem Entschluß kommen, zu verzichten. Vielleicht ist der Zeitpunkt gar nicht so weit entfernt, wo die Menschen sich sagen: Das war die falsche Richtung, wir müssen jetzt Neugier in einer anderen Richtung entwickeln.“

Jeder, der die Heilige Schrift nicht kennt, oder ihr nicht glaubt, aber die Machenschaften des Menschen beobachtet, braucht diese Hoffnung. Er will sich nicht vorstellen, daß die Menschheit - wie Thielicke schreibt - Unheilsgeschichte macht, und nie damit aufhört. Wer nicht um die Macht Gottes weiß, nicht seinen Plan mit der Welt kennt, hofft darauf, daß der Mensch zur Besinnung kommt. Aber er hofft vergeblich.

Es ist schon verheerend, wie der Mensch in die Natur eingreift. Aber er versucht auch, mit eigenen und unlauteren Mitteln Reich Gottes zu bauen.

Nachdem der Same ausgestreut ist, können wir nur geduldig warten. Wir müssen demütig die heilige Wirksamkeit Gottes zum Wachstum und Gedeihen seines Reiches anerkennen. Aber es ist uns erlaubt und geboten, fortwährend um seinen Segen und seinen Geist zu bitten, von dem das Kommen seines Reiches abhängt.

III.       Ernte und Reich Gottes

Der Weizen mit seinem außergewöhnlichen Halm und seiner reichen Frucht wird zur rechten Zeit auf dem Felde stehen. Das ist sicher. Der Same, das Wort Gottes, hat soviel Kraft in sich, daß er aufgehen wird, wachsen und Frucht bringen. Auch wenn das Wort in vielen Fällen auf schlechten Boden fällt, es wird dennoch ganz gewiß auch guten Boden finden, und auch dort aufgehen, wo wir es nicht erwartet haben.

Redet das 1. Gleichnis vom stillen, aber sicheren Wachstum des Reiches Gottes, so wird in dem Bild vom Senfkorn von der Ausdehnung und den Ausmaßen gesprochen. Das Evangelium, zuerst verkündet von ein paar Wanderpredigern in Palästina, ist inzwischen um die ganze Welt gegangen. In die entlegensten Gebiete der Erde haben Gottes Boten die Botschaft vom Kreuz gebracht. In Gegenden, in denen es keine christliche Tradition gab, wo noch niemand von Jesus Christus gehört hatte, ließ Gott seine Saat aufgehen. Wo fremde Götter angebetet wurden und die Menschen gefangen waren in religiösen Praktiken und Okkultismus, erlebten sie die Befreiung durch Jesus Christus. Oft unbemerkt vom Rest der Welt, oft auch unbemerkt von den sogenannten christlichen Ländern, wuchs der Same und brachte Frucht.

Ich will euch nicht verhalten, liebe Brüder, dieses Geheimnis, auf daß ihr nicht stolz seid. Blindheit ist Israel einesteils widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei,

Römer 11,25

Der Herr der Ernte wird zu seiner Zeit die Ernte einfahren. Zwischen dem Weizen wird auch Unkraut sein. Der Herr hatte verboten, daß Menschen es ausreißen.

Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuern.

Matthäus 13,30

Als die Jünger Jesus bitten, ihnen das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker zu deuten, sagt er:

Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da Unrecht tun und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Matthäus 13, 41 - 43

Diesseits- und menschenbezogene Verkündigung hat das Reich Gottes aus den Augen verloren. Viele Christen wollen sich doch nicht vorwerfen lassen, sie würden nur auf das Jenseits vertrösten. Das war doch immer die Kritik der Welt: „Ihr Christen sollt euch lieber um das Leben der Menschen hier auf der Erde kümmern. Wichtig ist, daß es uns hier gut geht; wer weiß, ob überhaupt noch etwas danach kommt.“ Heute kann man den Christen den Vorwurf kaum noch machen, daß sie immer nur vom Reich Gottes sprechen. Wir mischen vielmehr mit, wenn es um Sozial- und Gesellschaftskritik geht, um Politik und Tierschutz.

Jesus sagt in der Bergpredigt:

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden, denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.

Matthäus 6, 31 - 33

Paulus schreibt an die Korinther:

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendsten unter allen Menschen.

1. Korinther 15, 19

Je mehr wir als Christen mit uns selbst und den täglichen Verrichtungen und Sorgen beschäftigt sind, je weniger denken wir an das Reich Gottes; oder weil wir uns so wenig in unseren Gebeten und beim Lesen des Wortes mit dem Reich Gottes beschäftigen, sind unsere Gedanken auch in unserem geistlichen Leben nur auf diesseitige Dinge gerichtet. Wir sind bemüht darum, daß unsere Reise angenehm ist, dabei verlieren wir immer mehr das Ziel aus den Augen.

Was sagt uns eigentlich die Bibel über das Reich Gottes? Johannes der Täufer wie auch Jesus selbst erklären zu Beginn ihres Auftretens, daß das Reich Gottes „nahe herbeigekommen“ sei (Matthäus 3, 2; 4, 17). In der Verkündigung Jesu erfahren wir, daß es vor der Tür stehe, daß es in ihm bereits gekommen sei, daß man aber wiederum um sein Kommen beten müsse. In seinen Gleichnissen spricht er vom Wachstum dieses Reiches, einem Prozeß, der zur Vollendung gebracht wird durch Gottes machtvolles Eingreifen. Das scheint nur ein Widerspruch zu sein. Mit dem Kommen Jesu ist das Reich Gottes angebrochen. Und er ist bei uns alle Tage nach seiner Verheißung. Gleichzeitig warten wir auf seine Wiederkunft. So wird auch erst dann das Reich Gottes vollendet sein und sichtbar für alle, die jetzt schon zu diesem Reich gehören. Bürger dieses Reiches leben noch in der Welt (Johannes 17, 15+16), ihre Weisungen aber empfangen sie von oben, sie besitzen das Bürgerrecht des Himmels (Kolosser 3, 1-3).

Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater.

Matthäus 24, 36

Der Vater weiß Tag und Stunde der Wiederkunft Christi und der Vollendung seines Reiches. Und wir dürfen sicher sein, daß es der richtige Zeitpunkt sein wird. Für uns kommt es darauf an, daß wir bereit sind. Paulus mahnt die Thessalonicher:

Wir vermahnen aber euch, liebe Brüder, vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Sehet zu, daß keiner Böses mit Bösem vergelte, sondern allezeit jaget dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann.

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch ruft, er wirds auch tun.

1. Thessalonicher 5, 14+15, 23+24

Herr Jesus Christus,

wir bitten dich um das Kommen deines Reiches und danken dir, daß du uns das Bürgerrecht verliehen hast. Vergib du uns, daß unsere Gedanken und Gebete so sehr mit allem Irdischen sich beschäftigen, und uns darüber die Freude auf dein Reich verloren geht. Laß viel Samen deines Evangeliums aufgehen und Frucht bringen zu Deiner Ehre. Laß du uns ausstreuen, dort wo du uns das Feld bereitet hast, und mach uns selbst zu einem guten Acker, damit wir Früchte bringen. Dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit.

Amen

Fußnoten

Robert Jungk

Helmut Thielicke

Jan Vering

Graf von Zinzendorf