Ingrid Puschinski - www.puschinski.net

Rettender Glaube

1 ¶ Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. 2 Der kam zu JEsu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von GOtt kommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn GOtt mit ihm. 3 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich GOttes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 JEsus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich GOttes kommen. 6 Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. 7 Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. 8 Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? 10 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht? 11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an. 12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? 13 Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. 14 Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, 15 auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 16 Also hat GOtt die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn GOtt hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. 18 Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes GOttes. 19 Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebeten die Finsternis mehr denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Arges tut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in GOtt getan.

Johannes 3, 1-21

1 ¶ Da nun der HErr inneward, daß vor die Pharisäer kommen war, wie JEsus mehr Jünger machte und taufte denn Johannes 2 (wiewohl JEsus selber nicht taufte, sondern seine Jünger), 3 verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa. 4 ¶ Er mußte aber durch Samaria reisen. 5 Da kam er in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohne Joseph gab. 6 Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun JEsus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. 7 Da kommt ein Weib von Samaria, Wasser zu schöpfen. JEsus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kaufeten. 9 Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist und ich ein samaritisch Weib? (Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.) 10 JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkennetest die Gabe GOttes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. 11 Spricht zu ihm das Weib: HErr, hast du doch nichts, damit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendig Wasser? 12 Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat, und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh? 13 JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinket, den wird wieder dürsten; 14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunn des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet. 15 Spricht das Weib zu ihm: HErr, gib mir dasselbige Wasser, auf daß mich nicht dürste, daß ich nicht herkommen müsse zu schöpfen. 16 JEsus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her! 17 Das Weib antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. JEsus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann. 18 Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann. Da hast du recht gesagt. 19 Das Weib spricht zu ihm: HErr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr saget, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle. 21 JEsus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, da ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. 22 Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten. 24 GOtt ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25 Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird er’s uns alles verkündigen. 26 JEsus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet.

Johannes 4, 1-26

I.       Was suchen wir?

In dem Lied von Eleonore Fürstin Reuß „Ich bin durch die Welt gegangen“ heißt es:

Sie suchen, was sie nicht finden in Liebe und Ehre und Glück, und sie kommen belastet mit Sünden und unbefriedigt zurück.

Zur Begründung der heutigen modernen Verkündigung habe ich schon so häufig den Satz gehört: „Wir müssen die Menschen abholen.“ Abgesehen davon, daß viele gar nicht erklären können, was sie genau damit meinen, müßte man wissen, wo die Menschen sich befinden, die man abholen möchte. Das heißt, man müßte wissen, was sie denken, empfinden und wonach sie suchen. Die meisten Menschen suchen etwas: nämlich Liebe und Glück, Geborgenheit, den Sinn des Lebens.

Als Jesus über Johannes sprach, fragte er die Volksmenge, warum sie in die Wüste gegangen seien (Matthäus 11). Suchten sie Antworten auf ihre Lebensfragen, suchten sie einen Propheten, der ihnen etwas über die kommende Zeit sagen würde? Jesus selbst entzog sich ihnen nach der Brotvermehrung. Die Menschen waren begeistert und wollten ihn zum König machen. Sie suchten irdisches Glück und einen guten und gerechten Führer.

Wilhelm Busch fragte in einem Gottesdienst die Zuhörer, was sie erwarten. Er hätte nur eins zu verkünden, den gekreuzigten Christus, der für Sünder gestorben ist. Wenn sie etwas anderes suchten, könnten sie ebenso gut gehen, etwas anderes hätte er ihnen nicht zu sagen.

Wenn Menschen mit dem klaren Evangelium, mit den Ansprüchen Gottes an sie konfrontiert werden, mag es zunächst ein Schock für sie sein. Viele suchen Bestätigung ihres religiösen Denkens, sie wünschen eine christliche Ausrichtung in ihrem von ihnen selbst bestimmten Leben, sie erwarten Vergebung ihrer Lebensschuld bei unverändertem weltlichen und sündigen Lebensstil, sie suchen seelische (nicht geistliche) Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Für alle diese Menschen muß die Antwort Jesu, die er Nikodemus gibt, eine ungeheure Zumutung sein.

Mit freundlichen und ehrenden Worten spricht Nikodemus Jesus an. Er achtet ihn als Lehrer, bewundert seine Taten und erkennt an, daß Gott mit ihm ist. Als gebildeter Pharisäer und Mitglied des jüdischen Hohen Rates, war er in allen religiösen Fragen eine Autorität. Im Gegensatz zu den hellenistisch gesinnten Sadduzäern waren die Pharisäer die eigentlich Frommen und Rechtgläubigen des Volkes, die das Gesetz als den Willen Gottes mit ganzem Ernst zu erfüllen suchten. Auch glaubten sie an ein Leben nach dem Tod und die Auferstehung des Leibes.

Was mag Nikodemus bewogen haben, Jesus zu dieser späten Stunde aufzusuchen? Vielfach wird unterstellt, daß er aus Feigheit in der Dunkelheit kam, damit niemand ihn sah. Er mag aber auch die Abendstunden gewählt haben, um in der Stille und Ruhe nach dem Tag mit Jesus tiefgreifende Gedanken erörtern zu können. Vielleicht konnte Jesus ihm einen interessanten Aspekt nennen, über den es sich nachzudenken lohnte. Schließlich sprach man in Jerusalem und im ganzen Land von Jesus und von seinen Taten. Da erschien es ihm wichtig, sich selbst einmal ein Bild von diesem Mann zu machen, der offensichtlich mit Gott in Verbindung stand, ebenso wie er selbst. Es ist immer wichtig, seinen Horizont zu erweitern. So mag Nikodemus eine neue Erkenntnis gesucht haben, die er im Gespräch mit dem Mann aus Galiläa erlangen könnte.

Wir müssen die Stellung dieses Mannes recht bedenken, um zu begreifen, wie schockierend die Aussage Jesu für Nikodemus gewesen sein muß: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Vers 3). Statt ihn vorsichtig an die Wahrheit heranzuführen, weitere Aussagen auf ein zweites oder drittes Gespräch zu verschieben, überführt Jesus diesen gelehrten Mann von seinem Scheinglauben, seiner Werkegerechtigkeit, seiner Unkenntnis der Heiligen Schrift. „Du willst Israels Lehrer sein und weißt das nicht?“ (Vers 10)

Christus sieht das Herz an. In dieser Mann-zu-Mann-Evangelisation geht Jesus gar nicht ein auf das freundliche und positive Verhalten des Nikodemus ihm gegenüber. Er sucht etwas, was Jesus ihm nicht geben kann. Nikodemus sucht als einer, der an Gott glaubt und bemüht ist, seine Gesetze zu halten, vor allem Bestätigung seines Glaubens. Und Jesus behandelt ihn als Ungläubigen. Aber nur so kann er gerettet werden.

Die Situation der Frau am Jakobsbrunnen ist eine völlig andere. Verschiedener können zwei Menschen kaum sein, als der jüdische Schriftgelehrte und diese Frau aus Samarien. Er ist ein religiöser Führer, sie als Ehebrecherin kümmert sich nicht um Gottes Gesetze. Er hat Rang und Namen, sie ist von der Gesellschaft ausgestoßen. Er ist wohlhabend, sie hat wenig zum Leben. Er ist gebildet, sie weiß nicht viel. Er erkennt Jesus als einen Lehrer, der von Gott kommt, sie hat keine Ahnung, wer Jesus ist. Er hat alles, was zu einem zufriedenen und gediegenen Leben gehört, sie hat Hunger nach Leben. So holt sie sich durch immer neue Beziehungen das, was sie für Liebe und Leben hält. Sie mag in einer stillen Stunde längst erkannt haben, daß ihr Leben nicht in Ordnung ist. Aber sie kennt keinen Weg, der sie aus ihrer Lage herausführt. Sie sucht „Leben und Überfluß“ (Johannes 10, 10), doch sie kennt den nicht, der allein das zu geben vermag.

Der Mann, der dort an dem Brunnen Jakobs sitzt, ist ihr fremd. Sie sieht, daß er ein Jude ist. Um so ungewöhnlicher ist es, daß er sie anspricht, und um Wasser bittet. Als sie ihre Verwunderung zum Ausdruck bringt, beginnt auch hier Jesus sofort mit der ganz persönlichen Evangelisation und mit der Seelsorge. Die Frau muß nichts sagen. Vor seinen Augen ist ihr ganzes sündiges Leben ausgebreitet, und er sieht in ihr unruhiges und verlangendes Herz. Er weckt in ihr nicht nur die Sehnsucht nach wirklichem Leben, er sagt ihr auch, wo sie es finden kann. Sie wird die Worte von dem Wasser, das den Durst für immer stillt, das eine Quelle zum ewigen Leben ist, noch nicht wirklich begriffen haben. Aber sie verlangt danach.

II.       Falsche Sicherheit

In vielen modernen Verkündigungen und Evangelisationen sagt man, Jesus würde unser Leben glücklich und sinnvoll machen, er gibt den Menschen wieder Hoffnung in schwieriger Lage. Wir müssen ihm nur glauben und uns ihm anvertrauen. Im Anschluß werden Menschen aufgefordert, Jesus in ihr Leben kommen zu lassen oder ihn als persönlichen Erretter anzunehmen, ihn in ihr Herz einzuladen oder eine Entscheidung für ihn zu treffen. Viele kennen diese Formulierungen, aber kaum einer weiß, daß sie nicht auf biblischem Sprachgebrauch basieren. Nach dem Nachsprechen eines sogenannten Übergabegebets wähnt sich der „Neubekehrte“ dann in Sicherheit. Man sagt ihm, daß seine Sünden vergeben sind, und er ewiges Leben habe.

Wie anders sind die Worte unseres Herrn über ewiges Leben. Sie waren ausnahmslos von Warnungen begleitet, und er lehrte sie, der Preis für die Nachfolge sei hoch und der Weg zum Heil schmal. Und er sagte von vielen, die ihn Herr nannten, ihnen würde einst der Eingang in das Reich der Himmel verwehrt sein. (Matthäus 7, 13-23)

Nikodemus glaubte an das ewige Leben. Das scheint auch für viele Menschen in unserer Zeit außer Frage zu stehen, daß es ein Leben nach dem Tod gibt. Dieser Glaube ist alles andere als ein Indiz für den rettenden Glauben an Jesus Christus.

MacArthur schreibt in seinem Buch „Lampen ohne Öl“:

Die Christen von heute sind geneigt, alles, was nicht glatte Ablehnung ist, für authentischen Glauben an Christus zu halten. Moderne Evangelikale lassen eine riesige Grauzone gelten und nehmen auch Leute mit fragwürdigen Lehren an und solche, deren Verhalten ein in Auflehnung gegen Gott lebendes Herz offenbart.

Jesus geht auf die überaus freundliche und respektvolle Begrüßung des Nikodemus gar nicht ein. Er behandelt ihn wie einen Ungläubigen, weil er die Sicherheit, die aus seiner Selbstgerechtigkeit kommt, erkennt. Darum reißt er ihm die Gewißheit, ewiges Leben zu haben, sofort mit einem einzigen Satz fort. Und Nikodemus begehrt auch sofort auf, indem er seinen Zweifel kund tut, daß ein Mensch doch nicht noch einmal geboren werden könne. Natürlich hat er das nicht wörtlich verstanden, soviel praktische Vernunft besitzt jeder. Er hat schon begriffen, daß Jesus einen völligen Neubeginn des Lebens meint. Das hieße dann, sein Leben bis zum jetzigen Zeitpunkt sei vergeblich gewesen. Kann das ein Mensch wie Nikodemus verstehen und akzeptieren?

Nein, dagegen wehrt sich unser ganzes Selbstwertgefühl. Schließlich hat doch jeder bis zu seiner Begegnung mit Jesus auch etwas in seinem Leben hervorgebracht und vorzuweisen. Bei einer Mitarbeiterbesprechung in einer Kirchengemeinde sagte eine junge Frau sehr empört: „Das soll doch wohl nicht heißen, daß ich 36 Jahre meines Lebens streichen soll?“

Paulus hatte es begriffen. Er schreibt an die Philipper:

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Unrat, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.

Philipper 3, 7 - 9

Wiedergeburt bedeutet die Anerkennung der eigenen geistlichen Unfähigkeit und die Abkehr von allem, was einem Menschen bisher wichtig war. In diesem Zusammenhang spricht Jesus von Wasser und Geist. Nikodemus müßte das verstehen. Das Wasser ist das Symbol für die Reinigung. Bei den meisten Zeremonien wurde das Wasser der Reinigung auf den Altar und die Opfer gesprengt. In Hesekiel 36, 25 steht: „Ich werde reines Wasser auf euch sprengen, daß ihr rein werdet.“ Und in Vers 26 sagt Gott: „Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“

In Jesus ist Nikodemus diesem Mann begegnet, der ihn rein waschen kann von aller Schuld und Selbstgerechtigkeit. Nur durch seinen Geist kann er ein Leben führen, daß Gott angenehm ist. Wer meint, aus eigener Kraft das zu schaffen, befindet sich in einer gefährlichen Sicherheit.

Die Frau aus Samarien reflektiert nicht lange. O ja, sie möchte das Wasser des Lebens gerne haben. Möchten das nicht viele, zumal es heißt, es sei umsonst? Aber ist es das wirklich?

Auf ihre Bitte nach diesem lebenspendenden Wasser fordert Jesus sie auf, ihren Mann zu holen. Natürlich weiß er, daß sie nicht verheiratet ist. Er legt mit dieser Frage den Finger auf ihre große Wunde und spricht damit ihre Sünde und ihre Not an. Sie redet nicht lange um die Sache herum, als sie erkennt, daß er ein Prophet ist, daß er alles weiß. Vor ihm kann sie sich nicht verstecken. Und Jesus gibt sich dieser erbarmungswürdigen Frau als der Messias zu erkennen.

Hier geschieht eine echte Bekehrung, ohne daß ausdrücklich davon gesprochen wird. Die Frau verlangt nach dem Wasser. Und sie bekommt es, aber um den Preis, daß ihre Sünden aufgedeckt werden. Jesus bietet an keiner Stelle eine billige Gnade an. In Matthäus 1, 21 steht: „Er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Er bietet nicht das lebendige Wasser an, ohne auf eine Änderung der sündigen Lebensführung zu dringen. Er schenkt ewiges Leben nicht ohne wahre Erlösung, das heißt Freiheit von Sünde, verbindliche Nachfolge, Fähigkeit dem Gesetz Gottes zu gehorchen und zu seiner Verherrlichung zu leben. Wer glaubt, durch ein einmaliges Bekenntnis zu Jesus ewiges Leben zu haben ohne Umkehr und ohne Nachfolge, befindet sich in falscher und damit gefährlicher Sicherheit.

III.       Heilsgewißheit

Paulus bekennt:

Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Römer 8, 38 + 39

Ihm, der ein Eiferer für Gott war, wurde durch die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn alles genommen, was sein altes Leben ausmachte. Vom Verfolger Jesu wurde er der treueste Diener.

Ein Prediger sagte einmal: „Irdische Güter wirft der Herr uns manchmal nach, die geistlichen sind zu kostbar, denn dafür ist er ans Kreuz gegangen.“ Die Gewißheit des ewigen Lebens ist nicht billig zu haben. Niemandem wirft Jesus sie nach. Einem Nikodemus wird seine ganze Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit genommen. Nichts gilt mehr, was er für wahr und gültig hielt. Er wird von Jesus nicht ermahnt, noch sorgfältiger die Gesetze zu halten, noch mehr in der Schrift zu forschen, noch mehr den Armen zu geben. Es wird ihm zugemutet, das alles für Unrat anzusehen, wie Paulus es ausdrückt. Mit Jesus muß er noch einmal neu beginnen. Nur wer von neuem geboren wird, dem allein verheißt Jesus ewiges Leben.

Wir erfahren nicht, welche Auswirkungen die Begegnung des Nikodemus mit Jesus gehabt hat. Später wird in der Schrift noch zweimal von ihm berichtet. Die Hohenpriester und Pharisäer hatten ihre Diener ausgesandt, um Jesus festzunehmen. Diese hatten es nicht gewagt und kamen unverrichteter Dinge zurück mit der Erklärung: „Nie hat ein Mensch so geredet wie dieser.“ Als sie dafür gerügt wurden, sagte Nikodemus: „Fällt unser Gesetz das Urteil über einen Menschen ohne ihn zuvor gehört und festgestellt zu haben, was er getan hat?“ Darauf gaben die anderen Pharisäer ihm zur Antwort: „Bist du vielleicht auch aus Galiläa? Forsche nur nach und überzeuge dich, daß aus Galiläa kein Prophet kommt.“ (Johannes 7, 50 -52) Er hatte schon danach geforscht und erfahren, daß Jesus mehr als ein Prophet war. Zu Jesu Grablegung kommt er und bringt für etwa hundert Pfund Myrrhe und Aloe. (Johannes 19, 39). Das war ein Bekenntnis und damit für ihn ein ziemliches Risiko.

Die Samariterin muß erkennen, daß Schuld nicht nur von Menschen trennt, sondern vor allem von Gott. Sie wußte, daß der Messias ihnen eines Tages alles verkünden würde. Jetzt ist sie ihm begegnet und darf erfahren, was zu ihrem Heil nötig ist. Überführt von ihrer Sünde macht Jesus ihr auch klar, was Anbetung bedeutet. Es kommt nicht auf den Ort an, nicht auf Tradition, sondern auf die Herzenshaltung. Nur ein begnadigter Sünder kann im Geist und in der Wahrheit anbeten, weil Christus ihn in alle Wahrheit geleitet hat und seinen Geist gegeben. Ihr ist viel vergeben, nun kann sie auch viel lieben (Lukas 7, 47). Mit dieser frohen Gewißheit kann sie anderen weitersagen, daß sie Christus begegnet ist. Sie schämt sich nicht, und sie reflektiert auch nicht darüber, ob man ihr, der verachteten Frau, überhaupt glaubt. Und der Herr gibt ihrem Zeugnis Kraft und Vollmacht.

Wenn wir Menschen sehen mit der Selbstgerechtigkeit und Religiosität eines Nikodemus, eine unmoralische Frau, wie die Samariterin, und wenn wir uns selbst anschauen, dann müßten wir doch mit den Jüngern fragen: „Ja, wer kann dann selig werden?“ Jesus antwortete ihnen: „Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“ (Matthäus 19, 25 + 26)

Wenn der Heilige Geist uns nicht überführte von unserer Schuld und Gottesferne, wenn er uns nicht die falsche Hoffnung nähme, wir könnten uns aus eigener Kraft ändern, wenn er uns nicht die Gnade der Wiedergeburt schenkte und den Glauben in uns wirkte und die Taten, die daraus erwachsen, wir wären in Zeit und Ewigkeit verloren.

Wem das aber geschenkt ist und wer es in Demut dankbar im Glauben angenommen hat, der darf gewiß sein, daß nichts ihn trennen kann von Gottes Liebe. Er ist versiegelt auf den Tag der Erlösung.

Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin.

2. Epheser 4, 30

Mit der Versiegelung hat Gott etwas festgemacht, daß niemand ändern kann.

Paulus schreibt an die Römer:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken.

Römer 8, 28-32

Wer sich von Jesus auf dem schmalen Weg durch die enge Pforte ins Himmelreich führen läßt, wer dem nachfolgt, der selbst der Weg und die Wahrheit und das Leben ist, muß nicht daran zweifeln, daß er ihn auch ans Ziel führt. Es gibt nur diesen einen Weg, der zu diesem Ziel führt. Der Weg mit ein wenig moralischer Änderung ohne Sündenerkenntnis und - bekenntnis, ohne Wiedergeburt ist der breite Weg, der in die Verdammnis führt.

Die Auserwählten Gottes kann niemand mehr verdammen. Sie dürfen sicher sein.

Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

Römer 8, 34

Mark Twain hat einmal gesagt:

Wäre unsere Treue entscheidend, käme vielleicht dein Hund in den Himmel, du aber sicher in die Hölle.

Herr Jesus Christus,

wie bei Nikodemus und der Frau aus Samarien kennst Du auch unsere Schuld, und weißt bei jedem einzelnen, was Not tut. Vergib Du uns unsere falschen eigenen Gedanken. Lehre Du uns täglich neu auf Dein Wort zu hören. Nimm von uns allen Hochmut und Kleinglauben. Schenke Du uns die Gnade der Buße und die Kraft Deines Geistes, damit wir uns abkehren von eigenen Wegen und denen, die die Welt uns zeigt. Wir wollen Deine unbeschreibliche Liebe, Treue und Barmherzigkeit rühmen, durch die wir Leben und Überfluß haben, Leben in Ewigkeit.

Amen

Fußnoten

Wilhelm Busch

John MacArthur

Mark Twain

Sanhedrin