Ingrid Puschinski - www.puschinski.net

Berufung zum Heil und Festhalten an der Lehre

13 ¶ Wir aber sollen GOtt danken allezeit um euch, geliebte Brüder von dem HErrn, daß euch GOtt erwählet hat von Anfang zur Seligkeit in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit, 14 darein er euch berufen hat durch unser Evangelium zum herrlichen Eigentum unsers HErrn JEsu Christi. 15 So stehet nun, liebe Brüder, und haltet an den Satzungen, die ihr gelehret seid, es sei durch unser Wort oder Brief. 16 ¶ Er aber, unser HErr JEsus Christus, und GOtt und unser Vater, der uns hat geliebet und gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der ermahne eure Herzen und stärke euch in allerlei Lehre und gutem Werk! 1 ¶ Weiter, liebe Brüder, betet für uns, daß das Wort des HErrn laufe und gepreiset werde wie bei euch, 2 und daß wir erlöset werden von den unartigen und argen Menschen. Denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. 3 Aber der HErr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. 4 Wir versehen uns aber zu euch in dem HErrn, daß ihr tut und tun werdet, was wir euch gebieten. 5 Der HErr aber richte eure Herzen zu der Liebe GOttes und zu der Geduld Christi!

2. Thessalonicher 2, 13 - 3, 5

I.       Versicherung des Heils

Senait G. Mehari lebte zur Zeit des Bürgerkrieges in Eritrea. Ihre Großeltern fuhren mit ihr auf einer beschwerlichen Reise nach Jerusalem, um sie dort taufen zu lassen. Auf diese Taufe war sie sehr stolz. In ihrem Buch „Feuerherz“, in dem sie auch von ihrer Zeit als Kindersoldat berichtet, schreibt sie:

In Äthiopien gibt es schon viel länger Christen als beispielsweise in Mitteleuropa. Syrische Kaufleute brachten das Christentum bald nach dem Tod Jesu nach Äthiopien. Im dritten oder vierten Jahrhundert war es dort bereits Staatsreligion – zu einer Zeit, als in Deutschland noch heidnische Germanen ums Feuer tanzten. Als die Europäer dort ankamen, dürften sie nicht schlecht gestaunt haben, anstatt der schwarzen Wilden jahrhundertealte Kirchen vorzufinden, geweihte Priester und strenggläubige Christen. Von den Äthiopiern konnten sie nicht behaupten, es handle sich bei ihnen um Untermenschen, die man schnell versklaven und missionieren müsse, um ihnen das ewige Leben in Gottes Himmelreich zu ermöglichen.

Bevor die syrischen Kaufleute das Christentum nach Äthiopien brachten, war Paulus auf seiner zweiten Missionsreise. Von Philippi reiste er weiter nach Thessalonich, dem heutigen Saloniki. Dort hatte er nach seiner Gewohnheit zunächst die Synagoge aufgesucht, um dortigen Juden das Evangelium zu verkünden (Apostelgeschichte 17). Einige Juden und auch einige hellenistische Proselyten bekehrten sich. Aufgrund dieser Bekehrungen wurde Paulus von den Juden angefeindet und mußte die Stadt verlassen. Aber das Wissen um die dort lebenden Brüder erfüllte ihn mit Dank. Er wußte, daß Gott selbst sie zur Seligkeit erwählt hatte. Paulus tat, was er tun mußte. Griechen sowohl als auch Nichtgriechen, Weisen sowohl als auch Unverständigen weiß er sich als ein Schuldner (Römer 1, 14). Darum hat er den Menschen in der Synagoge in Thessalonich aufgrund der Schrift dargelegt, daß Christus der Gesalbte ist, und sein Leiden und Sterben nötig war für ihre Errettung (Apostelgeschichte 17, 2 – 4). Die von der Wahrheit überzeugt waren und sie im Glauben annahmen, Juden wie Griechen, spricht Paulus in seinem Brief an als „vom Herrn geliebte Brüder“.

Nein, nicht das Christentum hat Paulus nach Thessalonich gebracht. (Thielicke: „Christentum ist die Summe aller Irrtümer und Meinungen um Jesus Christus.“) Keine Staatsreligion wollte Paulus ins Leben rufen, keine Priester weihen oder Kirchen gründen und feierliche Taufen vornehmen. Er war selbst von Christus überwunden, von seiner Schuld überführt worden. Jetzt wußte er sich als „Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes“ so sagt er zu Beginn des Römerbriefes. Und wer heute in Saloniki lebt oder geboren wird, hat keinen Grund stolz zu sein, daß vor zweitausend Jahren Paulus ihren Vorfahren das Evangelium Christi gebracht hat. Wer nicht selbst umkehrt und Buße tut, ob in Mazedonien oder Eritrea, in Russland, Amerika oder Deutschland, für den ist es gleichgültig durch wen und wie früh das Christentum ins Land kam. Für ihr Heil hat es keinerlei Bedeutung. Wie Paulus heute das geistliche Leben in den griechisch-orthodoxen, in den jahrhundertealten Kirchen in Äthiopien oder bei uns beurteilen würde, ist nicht schwer zu erraten. Aber sicher würde er auch heute überall auf der Welt einige Menschen finden, von denen er sagen könnte:

Wir aber müssen allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder, daß Gott euch als erste zur Seligkeit erwählt hat, in der Heiligung durch den Geist im Glauben an die Wahrheit.

2. Thessalonicher 2, 13

Er, der selbst die abgrundtiefe Kluft zwischen Gott und sich erfahren hatte, rief: „Laßt Euch versöhnen mit dem lebendigen Gott“ (2. Korinther 5, 20). Wer diese Versöhnung erbeten und erfahren hat, darf sich angenommen, geliebt und sicher wissen.

Paulus gehörte zum Stamm Benjamin. Als er die Christen in Thessalonich ansprach mit „vom Herrn geliebte Brüder,“ mag er die Formulierung aus dem Buch Mose haben. Dort heißt es:

Und über Benjamin sprach er: Der Geliebte des Herrn wird sicher wohnen, allezeit wird Er die Hand über ihm halten und wird zwischen seinen Schultern wohnen.

5. Mose 33, 12

Wo ein Mensch zum lebendigen Glauben an Christus gekommen ist, da sehen wir nicht nur die individuelle Geschichte eines Menschen, sondern ein Stück von Gottes Heilsgeschichte. Es geht bei meiner Bekehrung nicht nur um meine Errettung, es geht auch darum, daß ich Anteil habe an Gottes wunderbarem Plan. In diese große Rettungsaktion weiß ich mich mit hineingenommen, wenn ich im Glauben diese Gnade ergriffen habe. Aber nicht mein Glaube rettet mich, sondern allein der lebendige Gott, der mich von Anbeginn dazu ausersehen hat, mich von meiner Sündenlast zu befreien, mich gerecht zu machen und mir ewiges Leben zu schenken.

Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Römer 8, 30

Käme es bei dieser Berufung auf meine besonderen Vorzüge an, müßte ich daran zweifeln, daß Gott gerade mich angenommen hat. Aber sehen wir uns das Volk Israel an. Was war an diesem Volk das Besondere? In Kultur und Kunst wurde es später von anderen Völkern übertroffen. Die Phönizier waren größere Baumeister, die Römer bessere Organisatoren, die Griechen haben in ihrer gesamten Kultur höhere Leistungen hervorgebracht. Das Einzigartige der Juden ist, daß Gott sie auserwählt hat als sein Eigentum. Ihnen hat er das Gesetz gegeben und gefordert, daß sie es halten sollen. Trotz Ungehorsam und Strafe hat er sie nie aufgegeben, nie verworfen. Der Herr verwirft seinen Heilsplan nicht. Und das ist auch unsere Zuversicht. Nicht wir holen Gott in unser Leben, sondern er holt Menschen in seine Geschichte hinein.

Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

2. Mose 33, 19b

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Römer 9, 15

Der Grund unserer Berufung ist, damit wir die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangen (Vers 14).

Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.

2. Korinther 3, 18

Wir denken ja viel zu kurz und zu gering, wenn wir einzig und alleine an die Vergebung der Sünden denken. Durch das Heil, daß uns durch Gottes Barmherzigkeit zuteil wurde, haben wir Anteil an seiner Herrlichkeit.

Werner de Boor schreibt:

Zugleich haben wir aber auch daran zu denken, worin nach dem Zeugnis des Neuen Testaments die Herrlichkeit unseres Herrn besteht. Sie ist nicht ein unbestimmter Glanz, sondern umfaßt eine Fülle mächtiger Taten: die Sammlung, Entrückung und Vollendung seiner Gemeinde, den Sturz des antichristlichen Weltherrschers, die königliche Regierung im Tausendjährigen Reich, den Vollzug des Weltgerichts, die erleuchtende und segnende Durchwaltung der neuen Erde. Und an all dem dürfen wir Anteil gewinnen, bei dem allen in der engen Verbundenheit der Glieder mit dem Haupt mitherrschen, mitrichten, mitleuchten! Das ist Gewinn der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus.

Wie wenig wird das in einem Christenleben bedacht. Darum sind unsere Gedanken und Wünsche fast ausschließlich auf das Irdische gerichtet. Wir sehen nur auf die Mühen unseres Lebens und bedenken nicht, was der Herr uns mit seinem Tod am Kreuz alles geschenkt hat. Er hat uns berufen und läßt uns teilhaben an seiner Herrlichkeit. Es mag für uns unfaßbar sein, und doch ist es wahr.

Natürlich müssen wir Gott teilhaben lassen an unserem Leben, er muß unser Herr sein. Aber es kommt darauf an, daß Gott uns teilhaben läßt an seiner Heilsgeschichte.

Woher können wir das alles wissen? Hören wir, was Menschen uns erzählen? Die können sich irren. Verlassen wir uns auf unser gutes Gefühl? Das kann uns täuschen und ist unseren Stimmungen unterworfen. Nur Gottes Wort ist zuverlässig und offenbart uns seinen Plan und Willen.

In der Oper Undine von Lortzing sing Veit:

Hab' schon öfter sagen hören,
Daß man dort sich wiedersieht.
Aber niemand kann's beschwören,
Keiner weiß, was dort geschieht.
Wenn es fest und sicher stände,
Daß man da sich wiederfände,
Wär' in jenen lichten Höh'n
Wohl das schönste Wiedersehn!

Nicht nur der Librettist der Oper Undine, auch die katholische Lehre weiß um keine Heilsgewißheit. Es ist bei manchen Christen ein beliebter Satz: „Wir werden uns wundern, wen wir einst im Himmel wiedersehen werden.“ Wer denkt, sich dort zu wundern, muß selbst erst einmal wissen, daß er in den Himmel kommt. Wer aber mit dieser Aussage meint, daß Gott tolerant gegenüber der Sünde ist, letztendlich großzügig allen das ewige Leben geben wird entgegen seinem Wort, unterliegt einem gefährlichen Irrtum.

II.       Anweisung

Paulus gibt darum den Thessalonichern die Anweisung: „Haltet Euch an die Lehre.“ Dabei geht es um keine Kirchendoktrin. Was hat die Kirche im Laufe der 2000 Jahre schon an falschen Lehren verbreitet. Es geht auch nicht allein um die Reinheit der Lehre. Bei Paulus hat die Aufforderung einen seelsorgerlichen Hintergrund. Festhalten an der Lehre, wie sie in der Schrift steht – im Alten Testament, in den Evangelien, in den Briefen, in der Offenbarung – meint Paulus in ganz praktischem Sinne. Wieviel Uneinigkeit, Streitereien und Verwirrungen könnten vermieden werden, wenn wir das Wort besser kennen würden. Wie umgetrieben werden viele Christen durch alle möglichen Aussagen in Gottesdiensten, Veranstaltungen, Büchern und persönlichen Gesprächen, die als Grundlage nicht die Schrift haben, sondern auf „persönlichen Erfahrungen“ basieren. Der Grund für die Verwirrung ist, daß viele an geistlicher Unterernährung leiden.

Nicht nur im weltlichen Leben, sondern auch im geistlichen Bereich ist das gefragt, was neu, was modern ist. Es wird weitgehend mit der Tradition gebrochen. Bruch mit der Tradition mag in vieler Hinsicht zu begrüßen sein, denn Tradition muß nicht allein darum gut sein, nur weil unsere Vorfahren es auch so gemacht haben. Es gibt sicherlich manche Tradition, mit der man getrost brechen sollte, auch wenn wir sie von unseren Eltern überliefert bekamen.

Schlimme Folgen hat es, wenn Christen nicht an der Überlieferung festhalten, wie Paulus es im Brief an die Thessalonicher anmahnt. Feststehen bedeutet, daß wir uns keinen Millimeter wegbewegen von den Aussagen der Heiligen Schrift. Alles an Lehre, Ermahnung, Trost und Offenbarung finden wir in ihr. Nichts, was aus einer anderen Quelle kommt, dient der Wahrheit und unserem Heil. Feststehen bedeutet auch, sich nicht irre machen zu lassen, wenn von vielen Seiten gerufen wird: „Hier ist der Weg zum Heil, es ist alles ganz einfach, Jesus hat uns alle lieb und will nur, daß es uns gut geht.“

„Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat“ (Vers 16) hat die getröstet, die unter ihrer Sündenlast zusammenbrachen. Er hat ihnen eine gute Hoffnung gegeben, daß sie gerettet sind und ewiges Leben haben werden, und eingehen in seine Herrlichkeit. Das ist die Botschaft des Evangeliums. Wer in dieser gewissen Hoffnung lebt, ist nicht mehr sein eigener Herr. Wer das glaubt oder weiter sein eigener Herr sein will, steht nicht fest in der Lehre.

So sicher wie Jesus uns die Stätte bereitet und uns zu sich nehmen wird, damit wir dort sind, wo er ist (Johannes 14, 3), so sicher will er unser Herr sein, und zwar schon hier und nicht erst in der Ewigkeit.

Denn keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herr; sterben wir, so sterben wir dem Herrn, Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebende Herr sei.

Römer 14, 7 – 9

Wenn er Herr ist über unser Leben wird er in uns die guten Werke vollbringen. Dann kann es nicht sein, daß wir jahrelang mit Menschen zusammen arbeiten, wir befreundet oder Nachbarn sind, und niemand hat etwas davon bemerkt, daß wir zu Jesus gehören. In seinem Wort erkennen wir die Wahrheit und seine Wahrheit macht uns frei. Sie macht uns auch frei von dem Zwang nach der Art der Welt zu leben. Darum müssen und werden wir auffallen.

III.       Segen und Gebet

Es ist ein Segen, den Paulus in Vers 17 ausspricht: „Er aber, unser Herr Jesus Christus und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.“

Wie sehr brauchen wir diesen Zuspruch aus dem Wort Gottes, wir sehr brauchen wir das Gebet füreinander. Wieviel leeres Geschwätz macht sich auch unter Christen breit, wo man statt dessen von unserem Herrn und seinem Wort sprechen könnte. Wieviel unsinniger Rat wird gegeben, wo man für den andern beten sollte. Über wieviel menschlich so interessante Themen spricht man in christlichen Kreisen und hält darüber lange Vorträge, und die Schrift wird immer uninteressanter und rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Wieviel Werk wird begonnen im privaten und gemeindlichen Leben ohne vorher mit dem Herrn darüber zu sprechen.

Paulus Dienst verbunden mit seinen Reisen war nicht ohne Anstrengung, Mühe und Gefahr. Aber als er seine Brüder in Thessalonich auffordert zu beten, schreibt er: „daß das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch, und daß wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ (Kapitel 3, 1 + 2)

Er denkt nicht an sein persönliches Wohlbefinden, sein Hauptanliegen ist, daß das Evangelium läuft und Gott gepriesen wird. Dabei ist er realistisch. Er weiß, daß viele Menschen die Botschaft verwerfen werden. Es ist ja nicht nur naiv, sondern auch unbiblisch, zu glauben, wenn wir die „Sache mit der Verkündigung“ nur richtig anpacken, bekehren sich die Leute haufenweise. Wir stellen Videowände auf, engagieren eloquente Verkündiger, fahren mit 70 Smart Autos durch Deutschland und „wollen dabei den christlichen Glauben wieder neu zu einem Gesprächsthema machen.“ (so ProChrist Vorsitzender Dr. Raimund Utsch).

Nachdem Paulus die Brüder aufgefordert hat, zu beten und festgestellt, daß der Glaube nicht jedermanns Ding ist, stärkt er sie mit den Worten: „Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ Er segnet sie mit den Worten: „Der Herr aber richte eure Herzen auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.“ (Vers 3 und 5)

Doch er scheut sich auch nicht vor Ermahnung. Bei allem, was er ihnen gesagt hat, ist es ihnen nicht anheim gestellt, danach zu handeln oder es zu lassen, sondern er hat es ihnen geboten. Er vertraut ihnen, daß sie danach tun, nicht aufgrund seiner großen Autorität, sondern aufgrund der Größe und des Erbarmens Christi. Paulus ermahnt ja nicht nur die Gemeinde, zu beten. Er selbst ist ein großer Beter:

... was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und tue das Gebet mit Freuden.

Philipper 1, 4

In seinem Herrn hat er das größte Vorbild. Jesus tat nichts, ohne vorher im Gebet mit seinem Vater gesprochen zu haben. Wie sollten wir ohne Gebet etwas zustande bringen, was vor den Augen Gottes Bestand haben soll.

Spurgeon sagt:

Das Gebet ist ein Vorläufer der Segnungen. Viele verachten das Gebet: sie verachten es, weil sie es nicht verstehen. Wer diese heilige Kunst des Gebetes auszuüben weiß, wird so viel dadurch erlangen, daß er schon um ihrer Nützlichkeit willen mit der höchsten Ehrfurcht davon sprechen wird. Das Gebet, behaupten wir, ist das Vorspiel zu allen Segnungen. Wir bitten euch, zu der heiligen Geschichte zurückzukehren, dann werdet ihr finden, daß niemals eine große Segnung in die Welt kam, ohne daß sie durch Gebet vorher angekündigt wurde. Die Verheißung kommt allein, ohne daß irgendein Verdienst ihr vorangeht, aber der verheißene Segen folgt stets seinem Herold, dem Gebet. Ihr werdet bemerken, daß alle Wunder, die Gott in alten Zeiten tat, zuerst durch die ernsten Gebete seiner Gläubigen von Ihm erfleht wurden.

Allmächtiger Gott, himmlischer Vater,

danke für das große Vorrecht, Dich als unseren Vater anrufen zu dürfen. Lehre Du uns von diesem Vorrecht viel mehr Gebrauch zu machen. Keine Gewißheit ist seliger, als die Gewißheit, Dein Kind zu sein. Das soll unser Herz mit Dank erfüllen, damit wir Dich nicht nur mit Worten loben, sondern auch unserem Stande gemäß leben. Hilf Du uns festzuhalten an der Lehre, die Du uns durch Dein Wort und die Apostel gegeben hast, damit wir uns nicht irre machen lassen durch Menschenmeinung. Laß uns nichts für wahr halten, was nicht wahr ist. Mache uns fähig und willens im Licht Deiner Wahrheit alles zu prüfen, womit wir konfrontiert werden, nicht zuletzt uns selbst.

Amen

Fußnoten

John MacArthur